Joachim Llambi aus der Let’s dance – Jury im Interview

Joachim Llambi aus der Let’s dance – Jury im Interview

Autor(in): | zuletzt aktualisiert am: 22.09.2012

Joachim Llambi bei Let’s dance von RTL – (c) RTL / Stefan Gregorowius

Joachim Llambi ist bei Let’dance, der Tanzshow auf RTL, der fachkundige und strenge Juror. In seinen Bewertungen und Kommentaren während der Show merkt man Joachim Llambi aber auch die Leidenschaft für die Standard- und Lateintänze an, besonders natürlich für den Turniertanz. So erläutert er nicht nur sein sachkundiges Urteil, sondern gibt den Tanzpaaren wertvolle Hinweise, wie sie ihre Auftritte verbessern können – wobei er sich oft am Niveau der Tänzer orientiert. So kann eine Kritik für ein Tanzpaar schon mal deutlicher ausfallen, obwohl sie besser als andere tanzen.

Interessant ist der erzielte Effekt, denn die Tanzpaare hören offensichtlich sehr genau, was Herr Llambi sagt und versuchen seine Tipps auch in die Vorbereitung der jeweils nächsten Show einzubeziehen. So ergibt sich eine fruchtbare Symbiose.

Außerhalb von Lets dance ist Joachim Llambi internationaler Wertungsrichter im Turniertanz und hat selbst lange aktiv und erfolgreich getanzt. Seine berufliche Heimat ist die Börse in Frankfurt.

All das fanden wir so interessant, dass wir im Anschluss an die letzte Let’s dance – Sendung mit Joachim Llambi ein Interview führten:

Salsango:
Herr Llambi, was stört sie in diesen Tagen mehr: Nicht so gute tänzerische Leistungen oder fallende Euro-Kurse?

Joachim Llambi:
Na gut: Einzig von den Eurokursen oder auch von der Börse lebe ich und das hier (Tanzen, Let’s dance – Anm. d.R.)  ist ein sehr, sehr intensives Hobby – oder besser gesagt, das, was ich nicht jeden Tag mache. Die Börse juckt mich natürlich mehr!

Doch die Leistungen hier sind inzwischen deutlich besser geworden. Es waren auch die richtigen vier Paare im Viertelfinale!

Salsango:
Sie sind der einzige professionelle Juror in der Jury bei Let’s dance – das betrifft das Tanzen an sich, aber auch das Bewerten von Leistungen. Gehen Sie während der Woche auch mal zu einzelnen Tanzpaaren und geben Tipps, wie sie dieses oder jenes besser machen könnten?

Joachim Llambi:
Nein, ich spreche mit Keinem! In der Woche können die alle tun, was sie wollen. Ich sehe die Tanzpaare mit ihren neuen Tänzen zum ersten Mal in der Show am Freitagabend. Somit lasse ich mich wirklich von dem inspirieren, was die Paare an dem Abend auf die Fläche bringen, wie bei einem Tanzturnier auch.

Salsango:
Sie gehen also nicht, wie man das von Jury-Mitgliedern aus anderen RTL-Shows kennt, z.B. Dieter Bohlen, zu den Leuten hin?

Joachim Llambi:
Nein, nein. Dafür hätte ich auch gar keine Zeit. Ich habe einen normalen Job und den muss ich erstmal erfüllen.

Salsango:
Die Jury bei Let’s dance ist mit ganz unterschiedlichen Juroren besetzt. Wir haben beobachtet, dass Sie der Einzige dort sind, der die tänzerischen Leistungen durchweg fair, mit gleichen Maßstäben und realistisch bewertet? Wie sehr stört es Sie, wenn andere Jury-Mitglieder Trost-, Sympathie- oder auch mal Llambi-Trotz-Punkte vergeben, wie besonders in der vorletzten Show deutlich wurde.

Joachim Llambi:
Das stört mich eigentlich überhaupt nicht! Jeder soll sein Ding machen! Und wenn der Herr Glööckler alles sensationell findet und der Herr Peter Kraus findet auch alles toll, dann sollen sie. Ich ziehe meine Linie durch.

Das habe ich in den ersten beiden Staffeln auch gemacht und ich fahre gut damit. Klar: Manchmal falle ich schon fast in Ohnmacht, wenn eine schlechte Leistung gut bewertet wird. Aber das ist dann bei mir auch relativ schnell wieder verraucht. Ich kann nur für mich sprechen und für mich werten! Was die Anderen machen, ist deren Sache. Dafür bin ich nicht zuständig.

Salsango:
Herr Llambi, in fast jeder Sendung loben sie die Band, die die Musik zu den Tänzen live einspielt. Doch wir sind der Meinung, dass die Auswahl der Titel häufig recht unglücklich ist, mehr auf den Bekanntheitsgrad hin ausgesucht, statt den jeweiligen Tanz auch in der Musik widerzuspiegeln!

Joachim Llambi:
Die Auswahl der Musikstücke liegt weder in der Hand der Band, noch in meiner. Das macht RTL und die Produktionsfirma der Sendung, Granada. Die bestimmen immer am Abend nach der Show, welche Titel die Paare in der nächsten Woche zu tanzen haben. Danach richtet sich das Orchester, danach müssen sich die Paare richten und letztendlich auch die Jury.

Salsango:
Sie persönlich haben also keinen Einfluss auf die Auswahl der Titel und die Paare kennen die Titel erst eine Woche vorher?

Joachim Llambi:
Ja, ich habe da keinen Einfluss und die Paare erfahren immer erst an dem Abend nach der Show, welchen Titel sie nächste Woche bekommen.

Salsango:
Bei den professionellen Standardtänzern verdichten sich die Leistungen immer mehr auf einem sehr hohem Niveau. Die Unterschiede sind teilweise nur noch für das Fachpublikum wahrzunehmen. Wo wird sich der Standardtanz-Wettbewerb hin entwickeln um für ein breites Publikum weiter attraktiv zu bleiben?

Joachim Llambi:
Die normalen Standard- und Lateinamerikanischen Tänze entwickeln sich, wie andere Sportarten auch, immer weiter – gerade im athletischen Bereich! Die Paare werden körperlich immer stärker und noch enger beieinander sein. Das ist der Trend, den kann man nicht aufhalten.

Für mich persönlich ist es wichtig, dass ich Paare sehe, die gemeinsam tanzen und die musikalisch tanzen. Es ist nicht immer „höher, schneller, weiter“ das Entscheidende.

Das ist, so glaube ich, das Ziel, das wir verfolgen müssen – auch als Wertungsrichter mit unserer Wertung. Ich muss immer noch sehen, dass das Paar versucht, die Musik zu vertanzen und nicht irgendwelche angelernten Choreographien vorführt. Dann merkt der Zuschauer auch ganz schnell, wer das gut macht oder wer weniger gut.

Salsango:
Verstehe. Doch gerade in den professionellen Wettbewerben sind die Unterschiede so marginal, dass oftmals nur noch eine bestimmte Kopfbewegung den Unterschied bringt…

Joachim Llambi:
Für uns Wertungsrichter ist es teilweise brutal schwer, weil die Paare wirklich sehr eng beieinander liegen. Manchmal ist es Geschmack, manchmal ist es der Stil, bei dem man sagt: „Ach, der passt besser zu dem Tanz. Oder jenes Paar tanzt diesen Tanz stilgerechter.“ Natürlich sind das oft sehr persönliche Empfindungen.

Auf allerhöchstem Niveau sind es, anders als in den unteren Turnierklassen, oft wirklich nur noch Nuancen, die ein Tanzpaar von dem anderen unterscheiden.

Letztlich soll es dem Zuschauer gefallen! Der entscheidet meist ausschließlich nach dem Gefallen und nach Sympathie.

Salsango:
Wird es im Turniertanz Veränderungen bei den Wettkampf-Formen geben, wie bei anderen Sportarten auch?

Joachim Llambi:
Nein. Wissen sie, beim Eiskunstlaufen kann man immer sagen, der dreifache Rittberger war gestanden oder nicht gestanden. Solche Figuren haben wir beim Tanzen recht wenige, eigentlich gar keine. Entsprechend haben wir auch nicht die Möglichkeit, zu sagen: Die siebenfache Pirouette ist gut oder ist schlecht.

Wir müssen uns an andere Kriterien halten, auch wenn der Laie die Unterschiede kaum noch erfasst.

Salsango:
Als ehemaliger Spitzentänzer und internationaler Wertungsrichter haben Sie Kontakt zu Tanzverbänden und bestimmt auch zu Tanzschulen. Gibt es dort, resultierend aus den Let’s-dance-Sendungen, mehr Tanzschüler als zuvor? Gibt es einen Let’s-dance-Effekt?

Joachim Llambi:
In Deutschland sind die Tanzschulen, auch aus der Historie heraus, schon immer sehr stark gewesen. Es hat hier Tradition, in die Tanzschule zu gehen. Das gab es in anderen Ländern so nicht, z.B. in Italien oder Polen. Dort haben diese Sendungen dann auch einen viel größeren Effekt, als bei uns.

Wenn die Zahl der Tanzschüler hier in Deutschland auf dem gegenwärtigen Niveau gehalten oder vielleicht noch leicht erhöht wird, dann glaube ich, hat die Sendung ihren Zweck erfüllt.

Salsango:
Wie sehen Sie die Entwicklungen im Nachwuchs? In den Tanzschulen werden ja verstärkt Hip Hop oder z.B. reine Choreografie-Kurse angeboten, die mit dem „normalen“ Tanzen nicht mehr viel gemein haben?

Joachim Llambi:
Das ist ein Problem, das wir überall haben und in allen Sportarten sehen. So hat z.B. vor zehn Jahren kaum einer über Beach-Volleyball gesprochen. Inzwischen wird der traditionelle Hallen-Volleyball aber immer weniger, weil die Deutschen mehr zum Beach-Volleyball tendieren. Das ist beim Tanzen auch so.

Die jungen Leute wollen sich frei bewegen, wollen einfach Spaß haben. Die brauchen nicht mal unbedingt einen Partner zum Tanzen, wenn sie Hip Hop, Salsa oder was auch immer machen. Deshalb sind diese Tänze sehr stark im Kommen. Ich glaube sogar, dass die Anzahl derer, die das Latein- oder Standardtanzen betreiben, in Zukunft noch ein wenig sinkt.

Salsango:
Vielen Dank für das Interview und alles Gute für Sie!

Weiterführende Informationen:

Quellenangaben: Das Interview wurde für Salsango von Sven Goldmann mit Joachim Llambi am Rande der After-Show-Party nach der RTL-Sendung Let’s dance am 14. Mai 2010 geführt. Es dauerte ca. 20 Minuten und liegt der Redaktion als Tondokument in voller Länge vor.

Das Bild oben stammt von (c) RTL / Stefan Gregorowius. Beim Klick auf das Bild gelangt Ihr direkt zum Let’s-dance-Special auf RTL.




3 Kommentare zu “Joachim Llambi aus der Let’s dance – Jury im Interview”

  1. Karsten sagt:

    Weil jemand gefragt hatte, hier ein Video aus Lets dance, wo Joachim Llambi mit Isabell Edvardsson tanzt:
    http://www.rtl.de/cms/unterhaltung/lets-dance/news/isabel-llambi-tanzen-vor.html?startid=296631&set_id=42739

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