Eiskunstlauf: ISU lässt russische Eiskunstläufer wieder zu
von: Karsten Heimberger | aktualisiert am: 12. August 2026Der Internationale Eislauf-Verband (ISU) erlaubt den Start von Eiskunstläufern und Eistänzern aus Russland bei Eiskunstlauf-Wettbewerben.

Eiskunstlauf – ISU lässt russische Eiskunstläufer wieder zu – Foto: Natalya Karpeka auf Unsplash
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Ab der Eiskunstlauf-Saison 2026–2027 können russische Eiskunstläufer als Neutrale Athleten an internationalen Eiskunstlauf-Wettbewerben teilnehmen (auch weißrussische Athleten). Das hat die ISU beschlossen und mit der ISU Communication 2804 am 30. Juni 2026 in Überarbeitung oder Anpassung der ISU Communication 2469 (das war die Sperre) bekanntgegeben.
Vier Jahre hatte der Internationale Eislauf-Verband (ISU) Sportler aus Russland und Belarus von allen Wettbewerben ausgeschlossen. Einzige Ausnahme waren die letzten Olympischen Winterspiele, bei denen wenige ausgewählte Sportler nach einem speziellen Auswahlverfahren und entsprechender Qualifikation antreten durften.
Bedingungen für den Start als Neutrale Athleten
Die Entscheidung betrifft Erwachsene und Junioren, wobei sich die Sportler ihre sportliche Reputation (Weltranglisten-Punkte) zunächst über kleinere Wettbewerbe der Challenger-Serie erarbeiten müssen.
Eventuell ergibt sich für zum Beispiel Petr Gumennik die Möglichkeit zur Teilnahme an den Grand-Prix-Wettbewerben. Das hängt aber von vielen Faktoren ab, die derzeit noch nicht absehbar sind. Im Moment steht nicht einmal fest, ob er überhaupt starten darf – wovon wir jedoch ausgehen, denn bei Olympia durfte er ja auch.
Allerdings sind zunächst alle Grand-Prix-Plätze schon vergeben (vor der Saison).
Übrigens könnte theoretisch Kamila Valieva wieder an den Start gehen, wenn sowohl der russische als auch der internationale Verband das erlauben, denn ihre Dopingsperre ist abgelaufen (siehe unseren Artikel Eiskunstlauf: Kamila Valieva und Alexandra Ignatova (Trusova) sind zurück).
Kamila Valieva hat laut einer Information des russischen Verbandes angemeldet, dass sie an Wettbewerben teilnehmen will. Das gilt auch für Alexandra Ignatova (geb. Trusova), die nach ihrer Babypause in den Wettkampfbetrieb zurückkehren will. Beide gehören auch schon zum Reservekader der Nationalmannschaft.
Auf alle Fälle gibt es keine Bevorzugung wegen der Erfolge der Sportler des Russischen Eiskunstlaufverbandes in der Vergangenheit. Weil der Verband mehr als drei Jahre gesperrt war, müssen neue Weltranglistenpunkte und somit reservierte Startplätze bei bestimmten Wettbewerben mit neuen Ergebnissen erst erlaufen werden.
Hinweis: Adeliia Petrosian wird übrigens und vermutlich gar nicht an Wettbewerben teilnehmen in der neuen Saison – oder nur an wenigen, ausgewählten. Das folgt aus mehreren Entscheidungen, die wir in unserem Sportler-Profil Adeliia Petrosian näher erläutern.
Insgesamt müssen wir abwarten, welche Sportler nach dieser Regelung international an den Start gehen können, denn an die Starterlaubnis sind einige Bedingungen geknüpft, die natürlich erst einmal geprüft werden müssen.
Das Verfahren entspricht in etwa dem im Vorfeld der Olympischen Spiele, soll aber ein eigenes sein und darüber hinaus ständigen Überprüfungen unterliegen. Wir werden die Entwicklung weiter beobachten und bei Bedarf im Detail auf das Prüfverfahren eingehen.
Update: Die ersten Starts russischer Sportler (und belarussischer) gibt es beim Kinoshita Group Cup in Tokio am 4–6. September 2026, ein Wettbewerb der Challenger Serie. An den Start gehen sollen:
- drei Männer (Petr Gumennik, Mark Kondratiuk und Evgeni Semenenko)
- drei Frauen (Anna Frolova, Alexandra Ignatova geb. Trusova, Kamilla Neliubova)
- drei Eiskunstlauf-Paare (Aleksandra Boikova – Dmitrii Kozlovskii, Ekaterina Chikmareva – Matvei Ianchenkov, Anastasia Mukhortiva – Dmitry Evgenyev)
- drei Eistanz-Paare (Vasilisa Kaganovskaia – Maxim Nekrasov, Elizaveta Pasechnik – Dario Cirisano, Ekaterina Mironova – Evgenii Ustenko)
Auch bei den Junioren gibt es keine Sonder-Regelungen.
Im Junior Grand Prix (da dürfen generell mehr Sportler starten als beim großen Grand Prix) gibt es jeweils zwei Startplätze bei den Junioren (Männer) und Juniorinnen (Frauen) sowie bei den Junioren-Eistanz-Paaren. Lediglich bei den Junioren-Eiskunstlauf-Paaren gibt es drei Startplätze.
Aus den inzwischen veröffentlichten, offiziellen ISU-Ankündigungen für diese Wettbewerbe geht hervor, wo wie viele Sportler aus Russland und Belarus starten dürfen (Angaben je Land):
- in Xi’an (China) – ein Sportler bzw. Paar in jeder der 4 Disziplinen
- in Riga (Lettland) – keine Sportler
- in Bangkok (Thailand) – ein Sportler bzw. Paar in 3 Disziplinen – Männer, Frauen, Eistanz-Paare
- in Ankara (Türkei) – ein Eiskunstlauf-Paar
- in Batumi (Georgien) – keine Sportler
- in Ljubljana (Slowenien) – keine Sportler
- in Gdansk (Polen) – jeweils ein Eiskunstlauf-Paar
Da könnte es interessant werden, ob die Verbände jeweils dieselben Sportler schicken, damit die eine Chance haben, sich für das Junior-Grand-Prix-Finale zu qualifizieren, denn das geht nur mit zwei Wettbewerben (weil mit einem Wettbewerb in der Regel nicht genug Punkte erreicht werden können).
Keine Sonderregelungen für Funktionäre
Offizielle und Funktionäre aus Russland und Belarus sind übrigens von der neuen Regelung nicht betroffen. Damit will sich die ISU gesondert beschäftigen und einen Plan erarbeiten, wie dieses Sonderkapitel geregelt werden kann, denn die Notwendigkeit sieht die ISU schon, die Verbände und ihre Vertreter wieder in die Strukturen einzugliedern.
Betreuer der Sportler bei den internationalen Wettbewerben (siehe oben) unterliegen den gleichen Bestimmungen und Überprüfungen wie die Sportler selbst.
Am Eiskunstlauf-Wettbewerbsprogramm in Russland soll sich wegen der internationalen Neuregelung nichts ändern, wie Anton Sikhuralidze angekündigt hat, der Präsident des Russischen Eiskunstlauf-Verbandes. Es könnte vielleicht notwendig sein, einzelne Termine zu verschieben. Das muss nun erst einmal geprüft werden.
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