Helene Fischer und die Allianz der schwachsinnigen Nörgler

von: | aktualisiert am: 23.12.2014
Helene Fischer im Konzert auf ihrer 'Farbenspiel-Tournee' - Foto: (c) Sandra Ludewig

Helene Fischer im Konzert auf ihrer ‚Farbenspiel-Tournee‘ – Foto: (c) Sandra Ludewig

Liebe Helene Fischer! Was sich so manche Nörgler an ‚Kritik‘ in diesen Tagen aus den Rippen schneiden, ist wirklich ein hanebüchener Unsinn! Die Einen z.B. schreiben, es seien Szenen aus der TV-Aufzeichnung zur Udo Jürgens Geburtstags-Gala herausgeschnitten worden. Was für ein Skandal! Welche Überraschung!

Davon hat man ja noch nie gehört: Ein Fernsehsender schneidet Material, das er zuvor aufgenommen hatte, um es möglichst perfekt – was auch immer man darunter verstehen mag – in Inhalt und Zeit senden zu können. Vermutlich könnte man mit dem Material, das TV- und Film-Produzenten in ihrer endgültigen Fassung nicht verwenden, die nächsten Jahrzehnte Fernsehsendezeit ohne Lücke bestücken.

Man stelle sich vor, es gibt ganze Berufsgruppen, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als Szenen, Filme und TV-Aufzeichnungen wie Berichte, Trailer, Dokumentationen oder eben Shows zusammen zu schneiden – und zwar so, dass das vermeintliche beste Ergebnis für die Zuschauer auf dem Schirm flimmert. Hollywood vergibt sogar seit 80 Jahren (!) Oscars für den besten Schnitt. Und das auch (wenngleich nicht nur), weil selbst die berühmtesten Schauspieler einen Text, den sie seit Monaten in den Händen halten, nicht immer beim ersten Mal gleich perfekt aufsagen.

Helene Fischer soll nun bei besagter Gala auf eine unvorbereitete Frage des Moderators nicht perfekt geantwortet haben. Das wurde nicht gesendet, vermeintlich weil’s nicht perfekt war. Na und?

Das ist heute schon eine Meldung wert?! Etlichen Zeitungen jedenfalls, die oft ohne sich weitere Mühe zu machen, einfach abtippen, was die Kollegen da schrieben. Hier und da wird noch ein bisschen dazu gedichtet, z.B., dass Helene Fischer also auch nicht perfekt ist. Noch so eine Überraschung, die der mit dem Schneiden einer TV-Aufzeichnung in nichts nachsteht.

Wer von uns ist perfekt? Wer findet immer auf Anhieb die richtigen Worte? Wer verhaspelt oder vertippt sich nicht mal? Haben die Kollegen Schreiberlinge noch nie einen Satz gelöscht oder umformuliert – so wie ich hier in diesem Artikel immer wieder -, Absätze in die Tonne oder gar ganze Artikel in den Papierkorb geworfen? Vermutlich könnte man die Zeitungen der nächsten Jahrzehnte füllen mit all den Sätzen, Wörtern und Zeichen, die der „Delete“- oder der „Undo“-Funktion auf unseren Tastaturen zum Opfer gefallen sind – um das Beispiel von oben noch einmal aufzugreifen.

Bei Helene Fischer aber soll das alles gaaanz anders sein!

Nach dem grandiosen „Merci, Cherie„, das Helene Fischer eben in jener Gala für Udo Jürgens gesungen hat, grenzt solche „Kritik“ schon fast an Frevel. Waren das „Bravo“ von Udo Jürgens und seine Tränen, die er bei dem Lied in den Augen hatte, etwa nicht auch Zeichen der Bewunderung? Und man stelle sich nur vor, selbst diesen Song hatte Helene Fischer vorbereitet, immer wieder geübt, einstudiert – was eine Zeitung doch tatsächlich in einem kritischen Kontext anmerkt. Noch eine Überraschung wie die beiden oben schon.

Eine Zeitung weiß gar, dass Helene Fischer Moderationskarten benutzt, vom Teleprompter abliest oder Texte auswendig lernt. Diese Erkenntnis schlägt dem Fass nun aber wirklich den Boden aus… Das nächste Blättchen hat gehört, gelesen oder gesehen, dass Helene Fischer auch mal nervös sein kann, sich immer bestmöglich präsentieren möchte.

Wird Helene Fischer am Ende ihre Tanz-Choreografien einstudieren, für ihre Akrobatik-Einlagen üben, ihre Liedtexte auswendig lernen, ihre Stimme trainieren, ihre Titel für eine CD immer wieder einsingen, bis sie perfekt sind? Sich für eine Show zu Proben treffen mit dem Orchester, den Tänzern, den Regisseuren, Beleuchtern, Toningenieuren, Bühnenbildnern? Wird sie gar Kostüme vorher anprobieren und die Kostümbildner, Schneider werden daran noch etwas ändern, wenn es nicht perfekt sitzt? Nicht zu glauben, welcher Moloch sich hier offenbarte, wäre das alles wahr!

Also: Ich finde ja auch nicht alles gut, was Helene Fischer so treibt – oder besser, was mit ihr so alles veranstaltet wird. Und zu ihrer Musik kann jeder stehen, wie er mag. Dem Einen gefällt’s besser, einem anderen nicht so. Aber, dass professionelle Vorbereitung und professionelles Verhalten in den Medien nun schon Gegenstand oberflächlichster Kritik sein können, darüber muss ich mich schon wundern.

Wenn’s dann nur der eine Artikel wäre, wär’s nicht erwähnenswert. Dass aber andere den gleichen Unsinn einfach kopieren und nachmachen, lässt die Kollegen nicht im besten Licht erscheinen. Da fehlten denen wohl die richtigen Worte? So wie Helene Fischer vermeintlich in jener TV-Aufzeichnung? Das kann aber nicht sein, oder? Schließlich sind wir alle perfekt und unfehlbar.

Ich hoffe, liebe Helene Fischer, Sie betreiben Ihr Geschäft in den nächsten Jahren genau so professionell, wie in den letzten. Auch wenn ich mir manchmal die Haare raufe: Genau diese Professionalität hat mich immer beeindruckt, von Anfang an!

Ihr Karsten Heimberger

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5 Kommentare zu “Helene Fischer und die Allianz der schwachsinnigen Nörgler”



  • Thomas Beh sagt:

    Ich halte nichts von Helene Fischer. Genausowenig wie von allen anderen Künstlern, die sich als Werkzeug derer ausgeben, die den Mainstream interpretieren und sich ihm bis zur völligen Selbstaufgabe anbiedern.

    Dabei kann sie singen. Ihr „Merci Cherie“ für Udo Jürgens gehört zu den rührendsten Ereignissen des deutschen Farb-fernsehens.



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