Cuba Vista – Fiesta bei Ernesto – Darf ich bitten?

Autor(in): | aktualisiert am: 19.07.2010

Cuba Vista ist eine Band aus Hessen, die traditionelle kubanische Musik fernab aller Mode und dennoch nicht unmodern spielt – und das außerordentlich beeindruckend. Alles Gute, was man musikalisch mit Kuba, findet sich auf Ihrer CD “Cuba Vista – Live en Concerto“.

Geht mit mir auf eine kleine Reise…

Wir sind auf Kuba: Der Abend dämmert bereits. Die Luft ist nicht mehr so heiß und vom Meer her weht ein angenehm kühlender Wind. Wir fahren in unserem geliehenen Oldtimer aus den 50ern auf die beeindruckende Auffahrt der Finca. Wir sind heute Abend eingeladen. Ernesto, den wir vorgestern vor dem Restaurante auf dem Dorfplatz bei Francisca kennenlernten, hat uns eingeladen. Wir wissen kaum, was uns erwartet. Ernesto meinte, wir sollten uns schick machen…

Wir parken unser Auto an einem freien Platz. Tief blubbernd verstummt der 8-Zylinder, sich noch einmal verschluckend. Ein kurzer Zweifel: Ob er nachher wieder anspringen wird?

Als wir näher kommen, wird schnell deutlich, dass die Gesellschaft nur zum Teil so fein ist, wie sie von Ferne schien. Menschen mit lächelnden Gesichtern blicken uns an und nicken uns zu – heißen uns willkommen. Kinder tollen herum. Besonders die Damen mit ihren langen Kleidern scheinen hervorragend als vorübergehendes Versteck zu taugen. In der Ecke ein Buffet und ein Grill, vor dem geduldig ein paar Herren mit Tellern in der Hand warten. Da macht ein Poltern von der anderen Seite der Terrasse aufmerksam – eine Band hat sich auf einer kleinen Bühne postiert – 4 Männer mit Gitarre, Kontrabass, Trompete und diversen Trommeln. Sie beginnen zu spielen. Kurz danach betritt eine Frau die Bühne und singt. Schnell finden sich einige Paare und wiegen sich im Rhythmus der Musik…

 

Den Meisten sieht man die Zuneigung an, die sie schon lange füreinander empfinden. Man kann es in ihren Augen lesen. Vertrautheit, die ansteckt. Wir kennen keinen Menschen hier und trotzdem fühlen wir uns irgendwie geborgen. Die Band wird schneller. Wir können uns nicht entziehen und mischen uns unter die Tanzenden…

Son, Cha Cha Cha, Bolero – Rumba!

 

Da endlich kommt Ernesto fröhlich auf uns zu. Mit weit ausgebreiteten Armen begrüßt er uns und stellt uns seine Frau Emilia vor. Ein kleiner Junge rennt herbei und reißt Ernesto fast um. Die Beiden lachen. Es ist Phillipo, der jüngste Sohn von Ernesto und Emilia, wie wir gleich darauf erfahren. Ehe wir uns versehen, stehen wir in einer Traube von fremden Menschen, die uns alle freundlich begrüßen. Wir sind das Paar aus Deutschland, dass hier Urlaub macht… Dank Ernesto weiß es bald die halbe Gesellschaft. Da wird meine Frau von meiner Seite auf die Tanzfläche gezogen, an deren Rand wir uns die ganze Zeit noch unsicher und doch vereinend an den Händen gehalten hatten. Auch mich umwirbt tänzelnd eine der Schönen mit ihrem atemberaubenden Kleid. Ich vergesse für einen Moment alles um mich herum und tanze. Die Musik nimmt mich mit. Die Band ist Klasse!

Nicht das übliche “Geklimper”, wie wir es so oft von Bands zu hause hören. Jeder hat seinen Platz, keiner drängt sich on den Vordergrund. Aber wenn seine Zeit in der Musik gekommen ist, ist er präsent. Der Bass rollt seinen Teppich aus, unaufgeregt, doch zugleich fest zusammen haltend, was zusammen gehört. Die Gitarre lässt ihren Ursprung nicht vermissen – eine Trés. Der Trompeter hat äußerlich etwas vom jungen Louis Armstrong und spielt mit mindestens ebenso soviel Gefühl, dass man zu träumen beginnt. Die Sängerin erzählt ihre Geschichten in einer verbindlichen Art und Weise; beachtlich sauber und stets wohl dosiert, ohne sich jedoch je zu verstecken – wozu es auch keinen Grund gäbe.  Wenn alle im Chor singen, tut die Band das in einem sehr angenehmen Satz. Fast scheint es, die Mitglieder der Band sind nach dem Klag ihrer Stimmen ausgesucht? Sicher nicht. Ein Glücksfall! Sie verströmen den gleichen Sinn für Gemeinschaft, wie die meisten Leute hier.

Später stellt uns Ernesto ein paar ältere Herren vor. Keiner von den Dickbäuchen, die hier auch herumstehen. Eher hager, ihr Leben steht in ihren sonnengegerbten Gesichtern, man sieht ihnen die Jahre an; freundlich und doch zurück haltend, fast schüchtern wirken sie. Sie erzählen von Damals, von der guten alten Zeit: Wir hören von Träumen, die sie hatten; von Bildung und Wohlstand für alle; von den Schwierigkeiten, als die USA ihr Land vom Rest der Welt abschneiden wollte und von der schweren Arbeit ihrer Familien auf den Zuckerrohrfeldern, damit die Kinder zu hause satt wurden.

Inzwischen sind auch etliche jüngere Leute vorbei gekommen. Hinreißende junge Frauen schmiegen sich zärtlich an ihre Verehrer, die ihnen zugleich Halt zu geben scheinen. Ihre wunderschönen bunten Kleider schwingen unter Kubas Nachthimmel zur Musik hin und her. 

Da ist sie wieder, diese freundliche Vertrautheit, die wir schon vor ein paar Stunden spürten, als wir hier ankamen und noch fremd waren. Dort drüben tanzt Ernesto mit Emilia. Auch Rafael und Julia, ein Unbekannter mit Patricia, Frau und Herr Perez… Hier sind wir zu hause! Ich schaue meiner Liebsten in ihre glänzenden Augen, die schon den ganzen Abend leuchten und lachen. “Darf ich bitten?” flüstere ich ihr zärtlich ins Ohr, nehme ihre mir so vertraute Hand mit der seidig-weichen warmen Haut und entführe sie auf die Tanzfläche….

Das Ganze noch einmal zusammen? Schließt die Augen, lehnt Euch zurück und erinnert Euch, was ich Euch eben erzählt habe oder macht Euch Eure eigenen Bilder:

Cuba Vista - Live en Concierto

Cuba Vista - Live en Concierto

Hinweise: Die Musikbeispiele sind nichtautorisierte, selbst angefertigte, Hörproben aus der CD “Cuba Vista – Live in Concerto“, die ausschließlich für diesen Artikel angefertigt wurden. Die CD kann man auf der Homepage der Band Cuba Vista bestellen. Bitte unbedingt angeben, dass Ihr diese CD hier bestellen wollt, wenn das so ist.

Die Hörproben dürfen nicht ohne Erlaubnis der Band und der Redaktion dieses Magazins verwendet werden.

Verweise und Links auf diesen Artikel werden jedoch gern gesehen!

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