Eiskunstlauf: Russlands Eiskunstläufer und Eistänzer starten in die Saison 2020-2021

Autor(in): | aktualisiert am: 11.09.2020
Eiskunstlauf Russlands Eiskunstläufer und Eistänzer starten in die Saison 2020-2021

Eiskunstlauf Russlands Eiskunstläufer und Eistänzer starten in die Saison 2020-2021 – Foto: AdobeStock © Galina Barskaya

Der Eiskunstlauf in Russland startet in diesen Tagen mit die neue Eiskunstlauf-Saison 2020-2021. Dabei spritzt ganz schön das Eis, gibt es teils heftige Diskussionen, umstrittene Entscheidungen, Gedanken und Planungen für die Zukunft.

Kein Wunder, ist Russland doch eines der Zentren der Entwicklungen im Eiskunstlauf und Eistanz, vielleicht sogar das wichtigste weltweit. Und in Russland hat das Eiskunstlaufen als Sport oder im Sport einen besonderen Stellenwert, viel mehr als bei uns zum Beispiel.

Zudem muss man manche Entwicklungen und Entscheidungen in Russland – sei es vom Verband oder von einzelnen Sportlern – auch unter dem Einfluss der Corona-Pandemie sehen. Dadurch wird der Blick schon noch stärker auf die Olympische Saison im nächsten Jahr gerichtet.

Die Eiskunstlauf-Saison 2020-2021 wird unter Corona-Bedingungen wohl noch mehr als unter normalen Umständen eine Art Vorbereitungs- oder Übergangs-Saison sein.

Alina Zagitova ist erstmal raus, nimmt Studium auf

Alina Zagitova – amtierende Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, amtierende Weltmeistersterin und ehemalige Europameisterin – sorgte mit ihrem Rückzug vom letztjährigen Wettkampfgeschehen Anfang des Jahres schon für Wirbel, in unterschiedlicher Hinsicht. Die Themen sind so komplex, dass wir sie hier nur anreißen können.

Alina Zagitova ist erst im Mai 18 Jahre alt geworden (geboren am 18.5.2002, 1,60m groß), hatte einige Zeit alles und alle überstrahlt im Eiskunstlauf der Damen. In der letzten Saison dann war sie (wie andere vor ihr schon) nach prächtiger, aber eben nur kurzer Blüte, von jüngeren Eiskunstläuferinnen (vor allem aus Russland) überholt worden.

Alina Zagitova schaffte zwar die Qualifikation für das Grand Prix – Finale, musste sich aber auf dem 6. und letzten Platz vor allem den neuen Überfliegern Alena Kostornaia, Anna Sherbakova und Alexandra Trusova mit teils über 40 Punkten Rückstand geschlagen geben. Selbst mit ihrer eigenen Bestleistung hätte sie nur Platz 3 dort belegt. Zur Russischen Eiskunstlauf-Meisterschaft ist sie dann schon gar nicht mehr angetreten.

Nun hat Alina Zagitova ein Studium aufgenommen an der RANEPA, eine renommierte Hochschule “beim Präsidenten der Russischen Förderation” in Moskau. Sie soll oder will dort wohl Journalismus studieren – und trotzdem weiter aktiv Eiskunstlauf betreiben.

Wo finden Alina Zagitova und Evgenia Mevedeva ihren Platz?

Es ist jedoch die Frage, ob auch Platz bleibt für Alina Zagitova bei den vielen hervorragenden Eiskunstläuferinnen in Russland. Es wächst ja schon wieder eine neue Generation heran! Auch rumort es ohnehin im Erfolgs-Team von Eteri Tutberidse, zu dem Alina Zagitova noch gehört.

Vorbild für einen anderen als den üblichen Weg könnte Evgenia Medvedeva sein, die zwar weiter für Russland startet, aber bei Brian Orser in Kanada trainiert. Da muss man wohl mal abwarten, ob sie (also Alina) sich zusätzlich zum Studium wirklich noch mit den “jungen Hüpfern” messen möchte.

Die Anzahl der Plätze für Russland bei EM, WM oder Olympia jedenfalls ist begrenzt. Da muss man dann schon überlegen, wo sich Evgenia Medvedeva und Alina Zagitova in der Russischen Mannschaft einordnen möchten bzw. können und was überhaupt ihre Ziele im Eiskunstlauf sind.

Das russische Triumvirat Kostornaia, Sherbakova, Trusova

Wie man sie auch nennt, Alena Kostornaia, Aliona Kostornaia oder Aljona Kostornaia (es ist manchmal eine Krux mit der Umschreibung einiger russischer Namen) – sie ist die amtierende Eis-Prinzessin und hat alle Voraussetzungen ein Star zu werden!

Sie hat das letztjährige Grand Prix – Finale gewonnen und wurde Europameisterin. Vor allem in der Ausführung und im Ausdruck bzw. der Interpretation war Alena Kostornaia ihren Mannschaftskolleginnen bisher überlegen.

Doch, was bei der Eiskunstlauf-WM passiert wäre, weiß niemand, denn die fand wegen Corona nicht statt. Ein Fragezeichen bleibt: Ihre ärgste Konkurrentin im letzten Jahr war Anna Sherbakova, die sie bei den Russischen Meisterschaften mit einem sensationellen Kür-Ergebnis um fast 12 Punkte überflügeln konnte.

Alena Kostornaia ist ihrer Konkurrentin zwar im Kurzprogramm fast ebenso weit voraus, sprang aber bisher keine 4-fach-Sprünge, sondern den ebenbürtigen 3-fachen Axel. Anna Sherbakova hingegen springt 4-fach und das beschert ihr den Vorsprung in der Kür.

Nun könnte Alena Kostornaia noch einen 4-fach-Sprung einbauen. Sie selbst erwähnt in einem Interview den Salchow, meint aber auch, es sei noch zu früh, darüber ernsthaft zu sprechen. Mit Blick auf die Olympischen Spiele ist das aber bestimmt ein Ziel, wenn sie dort erfolgreich werden möchte. Das will sie: Die Weltmeisterschaft und Olympia hat sie fest im Blick.

Alexandra Trusova hat vom Potential her noch mehr (Sprünge) im Köcher hat als Kostornaia und Sherbakova, springt die auch oft und kontinuierlich, stürzte aber in der letzten Saison mit eben solcher Regelmäßigkeit. So ganz perfekt war es nie. Aber wenn Alexandra Trusova ihre Sprünge stabilisieren und sich im Ausdruck noch verbessern kann, wird das ein echter Dreikampf.

In Lauer-Position Juniorenläuferin Kamila Valieva

Schließlich Kamila Valieva, die erst 14 Jahre alt ist und gut hörbar an der Tür kratzt, um im Triumvirat eine gewichtige Rolle zu spielen. Kamila Valieva ist amtierende Junioren-Weltmeisterin und Siegerin des Junior Grand Prix und steht schon mit Wertungen in den Büchern, die sie bei den Senioren ganz vorn stehen ließe.

Eigentlich hätte Kamila Valieva das Alter, um ganz beruhigt bei den Juniorinnen zu glänzen und den Rivalinnen das Feld bis zu den Olympischen Spielen zu überlassen, danach die Krone zu erben und weiter zu tragen.

Doch bei den übernächsten Olympischen Spielen wäre sie fast 20 und ob sie dann noch bei den Besten dabei sein kann? Oder sind dann schon wieder neue Talente nachgewachsen?

Alena Kostornaia und Alexandra Trusova wechseln das Eiskunstlauf-Team

Alle genannten Eiskunstläuferinnen entstammen der erfolgreichen Kaderschmiede von Eteri Tutberidse.

Doch nun sind Alena Kostornaia und Alexandra Trusova zum Team von Evgeni Plushenko gewechselt, dem ehemaligen, russischen Olympiasieger und Weltmeister, was an sich schon für einigen Wirbel sorgte – wie übrigens in der Vergangenheit der Wechsel von Evgenia Medvedeva zu Brian Orser.

Noch mehr Aufruhr gab es, weil sich Alena Kostornaia recht spät zu diesem Wechsel entschied. Normalerweise gibt es dafür eine Frist im Zeitraum April-Mai, doch die ambitionierte Eiskunstläuferin hat das wohl erst später entschieden – während Sasha (Alexandra) Trusova regulär im Mai gewechselt hatte.

Daraufhin wurde heiß diskutiert, ob das erlaubt sei und ob es Verträge wie in anderen Sportarten geben soll mit z.B. Ablösesummen für die ausbildenden Schulen und Trainer. Ein Thema, das sich lohnt, ausführlicher betrachtet zu werden, wofür hier aber kein Platz ist…

Sommer-Übergrüfung des Russischen Eislauf-Verbandes

In den letzten Tagen lief die Verbands-Überprüfung der Junioren im Trainingszentrum Novogorsk. Die vorsaisonale Überprüfung der Senioren bzw. “erwachsenen”, russischen Eiskunstläufer und Eistänzer ist dann am 12.-13. September 2020 in der Megasport-Arena in Moskau nach einem Trainingslager (siehe Artikel Eiskunstlauf: Vor-Saison-Test in Russland der Nationalmannschaft 12.-13.9.2020 in Moskau).

Diese Sommerüberprüfungen sind in Russland immer schon ein erster Höhepunkt der neuen Eiskunstlauf-Saison, “markieren” doch bereits hier die Eiskunstläufer und Eistänzer ihr Revier.

Diskussionen gab es, weil Kamila Valieva – gerade 14 Jahre alt – nicht bei den Junioren antrat, sondern im September dann bei den Großen dabei sein wird. Von der Leistung her ist das gerechtfertigt und irgendwie logischer und im Russischen Eislauf-Verband sieht man das recht pragmatisch.

Es wird auch niemand Schaden nehmen und so bleibt das eher ein aufgebauschtes Thema, als das es wirklich Konsequenzen gäbe.

Hier ein Video der Kür-Programme der jungen Herren und Damen:

Gemeldet hatten:

Bei den jungen Damen: Daria Usacheva, Sofya Samodelkina, Maya Khromykh, Adelia Petrosyan, Anna Frolova, Sofya Muravyova, Elizaveta Osokina, Valeria Shulskaya

Bei den jungen Herren: Daniil Samsonov, Evgeny Semenenko, Ilya Yablokov, Andrey Kutovoy, Artem Kovalev, Kirill Sarnovsky, Wsewolod Knyazev, Matvey Vetlugin, Gleb Lutfullin, Mark Kondratyuk, Maxim Belyavsky

Ich glaube jedoch, es waren weniger Sportler schon im Kurzprogramm am Start. Doch ich hatte das gar nicht geprüft…

Neu-Ordnung des Russischen Pokals – Cup of Russia 2020

In Russland gibt es eine eigene Wettbewerbsserie im Eiskunstlauf und Eistanz, den Russischen Pokal oder “Cup of Russia”, der nun 2020 angesichts der internationalen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie wichtiger wird für die Athleten und vom Verband aufgewertet werden soll.

Hier keine weiteren Gedanken dazu, sondern nur die Termine des Cup of Russia 2020:

  • 18.-22. September 2020 in Syzran (Samara)
  • 10.-13. Oktober 2020 in Moskau
  • 23.-27. Oktober 2020 in Sotschi
  • 8.-12. November 2020 in Kasan
  • 5.-8. Dezember 2020 in Moskau

Ein weiterer, 6. Wettbewerb in St. Petersburg ist grundsätzlich geplant, wurde in diesem Jahr jedoch nicht in den Wettbewerbskalender aufgenommen, weil es hier die stärksten Einschränkungen wegen Corona gibt (und das lebendigste Infektionsgeschehen).

Russische Meisterschaften Eiskunstlauf 2021

Die Russischen Meisterschaften im Eiskunstlauf 2021 finden traditionell über die Weihnachtsfeiertage statt (dort wird erst später als bei uns gefeiert). Die Meisterschaften sind auf den Zeitraum 22.-27. Dezember 2020 angesetzt. Wir werden sicher zu gegebener Zeit darüber berichten.

Quellenangaben

Die Informationen für diesem Artikel sind aus einer Vielzahl von offiziellen Meldungen und Dokumenten, Interviews, Statements und themenbegleitenden, internationalen Artikeln zusammengetragen. Zu viele, um sie hier anzugeben und mit den jeweiligen Informationen zu verknüpfen. Aber wir haben intern alle erfasst.

Wenn Sie eine konkrete Frage haben, teilen wir Ihnen gern die Quelle mit. Schreiben Sie uns dann am besten eine E-Mail an redaktion@salsango.de.

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