Let’s dance Klartext: Sind ältere, erfahrene Profi-Tänzer wichtig oder nicht?

von: | aktualisiert am: 6.07.2024

In dieser Let’s dance Klartext – Kolumne sollen “ältere und erfahrene Profitänzer” das Thema sein.

Let's dance Klartext: Sind ältere, erfahrene Profi-Tänzer wichtig oder nicht?

Let’s dance Klartext: Sind ältere, erfahrene Profi-Tänzer wichtig oder nicht? – Foto: Greyson Joralemon auf Unsplash

Im Verlauf einer Staffel Let’s dance habe ich sehr unterschiedliche Gedanken, wenn es um „ältere und erfahrene Profitänzer“ geht. Mal begrüße ich das Dabeisein, wünsche mir sogar mehr solche Tänzer-Persönlichkeiten. Ein anderes Mal denke ich, es sein nun für XY wirklich genug und Zeit, die Koffer zu packen.

Das sind bei genauerer Betrachtung aber ganz unterschiedliche Sichtweisen, die sich nicht gegenseitig ausschließen.

Meine Überlegungen werden dann oft konterkariert durch Beobachtungen, die ich in Gesprächen mache mit Zuschauern der Tanz-Show, die keinen oder nur einen entfernten Bezug zum Tanzen oder zum Tanzsport haben.

Dazu kommen Gedanken, die ich mir mit Blick auf den Altersdurchschnitt der Zuschauer bei Let’s dance oder in Österreich bei den Dancing Stars mache, die mindestens in Deutschland bei Let’s dance zur Hälfte oder mehr jenseits der 60 Jahre alt sind (für Österreich habe ich keine solche Zahlen, nehme aber an, da ist es ähnlich).

Mein Fazit daraus: Ja, es braucht ältere, erfahrene Profitänzer bei Let’s dance, aber es müssen die richtigen Persönlichkeiten sein!

Als ich anfing, über das Thema “ältere und erfahrene Profitänzer” näher nachzudenken, hatte ich zunächst die Idee, es brauche diese vor allem für die älteren Promi-Kandidaten.

Grundsätzlich finde ich nämlich wichtig und richtig, dass nicht nur „junge Hüpfer“ in der Promi-Auswahl einer Tanz-Show dabei sind, sondern auch ältere Semester.

Dabei ist es gar nicht so, dass ich ein altersmäßig ausgewogenes Teilnehmer-Feld in einer Staffel als Ideal beschreiben würde (bzw. man von einem solchen immer und aus den verschiedensten Gründen abweichen kann), aber über mehrere Staffeln hinweg sollte eine solche Ausgewogenheit herrschen – zumindest von der Tendenz her.

Wenn ich eine Altersgruppe beschreiben müsste, wäre das wohl die der arbeitenden Bevölkerung – also irgendwas zwischen 18-20 Jahre und Mitte der 60er. Weil man im Show-Geschäft teils durchaus auch länger aktiv ist und sein kann, könnte diese Grenze auch nach oben hin ausgedehnt werden – vorausgesetzt die Kandidaten sind noch fit und Willens, sich einer solchen „Tortur“ wie Let’s dance zu unterziehen.

Nun war also meine Idee, es bräuchte “ältere und erfahrene Profitänzer” für solche Promi-Kandidaten, die ihren Lenz schon hinter sich hätten.

Dieser Gedanke hat auch etwas für sich! Es gibt sicher einige Gründe, die für eine solche Kombination sprechen, die einen ganz eigenen Reiz, eine eigene Qualität in ihren Tänzen haben könnte.

Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, einen Profitänzer wie Oliver Seefeldt zu reaktivieren, der an den ersten beiden Let’s dance – Staffeln (2006 und 2007) erfolgreich teilgenommen hatte (wurde jeweils Zweiter mit Wolke Hegenbarth und Katja Ebstein).

Das ist sogar ein gutes Beispiel!

Oliver Seefeldt ist heute 54 Jahre alt. Damals war er also 36 bzw. 37 Jahre alt. Seine Tanzpartnerinnen waren damals 26 und 62 Jahre alt.

Unabhängig davon, wie interessant oder praktikabel ein solcher Re-Move wäre, braucht es offenbar gar nicht den guten Mittfünfziger als Profitänzer, um mit einer Promi-Kandidatin um die 60 herum erfolgreich zu sein. Und anders herum hat der gleiche Profi ein Jahr zuvor beweisen, dass er auch mit einer Mittzwanzigerin beste Ergebnisse bei Let’s dance erreichen kann.

Es muss also an etwas anderem liegen, nicht am Alter.

Nun, Oliver Seefeldt hatte damals eine erfolgreiche Karriere als Tanzsportler und Profitänzer hinter sich. Er hatte in den Jahren zuvor erfolgreich Nationale und Internationale Meisterschaften getanzt, war mehrfach Deutscher Meister und hatte Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften geholt (überwiegend in der Kür Latein übrigens).

Diese Erfolge könnten ein Hinweis darauf sein, wie nützlich solche Erfahrungen auch für eine Tanz-Show wie Let’s dance sind.

Das untermauern auch die frühen Erfolge von Isabel Edvardsson, die als damals 24-Jährige 2006 die erste Staffel mit Wayne Carpendale gewann (damals 29 Jahre alt) und ein Jahr später mit Giovane Elber (damals 35) Dritte wurde.

Isabel Edvardsson tanzte damals ebenfalls schon bei den Profis und war u.a. mehrfache Deutsche Meisterin (in der Standard Kür) und konnte in den beiden besagten Jahren Vize- und Europameisterin in der Standard-Kür werden.

Doch es gibt auch andere Beispiele, was die Erfahrungen und Erfolge angeht.

So gewann Christian Polanc Let’s dance 2007 mit Susan Sideropoulus (Christian war 29 Jahre alt, Susan damals 27 Jahre alt) und Let’s dance 2010 gewann Massimo Sinato mit Sophia Thomalla (damals 30 und 21 Jahre alt), obwohl beide zwar erfolgreich im Tanzsport tanzten, aber nicht auf so herausragende Erfolge zurückblicken können, wie Oliver Seefeld und Isabel Edvardsson.

Genauso zu nennen wäre in diesem Zusammenhang Ekaterina Leonova (bis 2014 aktiv im Tanzsport), die dann als 30-, 31- und 32-Jährige mit Gil Ofarim 2017 (damals 35), Ingolf Lück 2018 (damals 60) und Pascal Hens 2019 (damals 39) Let’s dance gewinnen konnte.

Die Erfahrungen des Profitänzers im höchstklassigen Tanzsport sind bestimmt hilfreich, um bei Let’s dance erfolgreich zu sein, aber (also) auch keine auschließliche Bedingung.

Nun muss ich jedoch einwenden, dass ich eine gewisse Ermüdung bei mir festgestellt habe bzgl. dieser Profitänzer. Ich hatte zuletzt nicht den Eindruck, dass Isabel, Christian und Massimo Let’s dance noch wesentlich neue Impulse hinzufügen können. Auch bei Ekaterina habe ich in der letzten Staffel solche Tendenzen (meiner) „Ermüdung“ bemerkt.

Ich will ausdrücklich nicht behaupten, diese Profis könnten in der Tanz-Show keine neuen Reize mehr setzen. Was ich eben oben geschrieben habe, bezieht sich auf meine letzten Eindrücke und Beobachtungen. Das könnte ja in neuen Staffeln wieder ganz anders sein.

Und ich muss zu bedenken geben: Das sind meine „Probleme“ beim Zuschauen!

Ich sehe in jedem Jahr unzählige solche oder vergleichbare Darbietungen bzw. Tänze. Vielleicht verstellt das auch ein bisschen die eigene Sicht, verengt das eigene Blickfeld, weil überall schon (und teils herausragende) Leistungen im Gedächtnis herumstehen?

Ich weiß von etlichen Gesprächen mit Leuten, die zwar regelmäßig Let’s dance schauen, aber sonst nicht so intensiv mit Tanz- oder Sport- oder Show-Darbietungen beschäftigt sind, dass diese oft begeistert sind von den Tänzen bei Let’s dance und besonders von jenen Publikumslieblingen, wie ich oben einige genannt hatte – und meine „Bedenken“ oder Einwände nicht teilen.

Für mich sind solche Gespräche oft Anlass, meine Eindrücke noch einmal zu überprüfen, genauer hinzuschauen und auch zu hinterfragen, ob ich mit meiner Einschätzung wirklich richtig liege bzw. ob ich den richtigen Blickwinkel habe.

Denn, es ist ja bzgl. unseres Themas hier nie falsch, etwas gut zu finden! „Falsch“ oder „richtig“ sind keine Kategorien, wenn es darum geht, ob jemanden etwas gefällt oder nicht.

Ich bin ein bekennender Fan der Unterhaltung sowie ein glühender Verfechter des Publikumsgeschmacks. Wenn den Leuten etwas gefällt, ist ein wesentliches Ziel erreicht! Es gibt allerdings auch noch einen anderen Aspekt, den ich für wichtig halte…

Auf die jüngeren bzw. neuen Profitänzer und auch einige Schlussfolgerungen bzgl. der Profitänzer gehe ich dann in einem zweiten Teil nächste Woche näher ein…

Informationen zu Let’s dance in Salsango

Diese Reihe „Let’s dance Klartext“ ist eine neue Form der Auseinandersetzung mit der Tanz-Show und weiteren Aspekten des Tanzens hier in Salsango. Zugleich ist das ein Angebot zur Diskussion, zum Austausch von Ideen und Argumenten mit den Lesern hier.

Zur Zeit erscheint die Reihe in einer Art Kolumne jeden Samstag morgens in Analogie zu meinen Meinungs-Artikeln während die Show im Fernsehen läuft.

Alle Salsango-Beiträge zu dieser Tanz-Show, auch die zu Staffeln vergangener Jahre, finden Sie bei uns unter Let’s dance nach Jahren bzw. Staffeln sortiert.

Wir berichten über verschiedene Tanz-Shows und haben eine Artikel-Sammlung speziell zum Thema Tanzen im Fernsehen. Thematisch weiter gefasst ist die Kategorie TV-Shows.

Ausgewählte Themen im Salsango-Magazin:




2 Kommentare zu “Let’s dance Klartext: Sind ältere, erfahrene Profi-Tänzer wichtig oder nicht?”



  • Anni sagt:

    Ältere oder jüngere Profis – tja, ich denke, das ist nicht so wichtig.
    Die große Frage ist: Wer hat 3 Monate lang Zeit?
    Womit verdienen die Profis den Rest des Jahres ihr Geld?
    Nehmen die Profis noch an Tournier-Wettbewerben, Landes-, Europa-, Weltmeisterschaften teil?
    Ist da nebenher dann eine Teilnahme bei LD möglich – wobei die Profis ja nicht wissen, wie weit ihr Promi kommt. Auch bei frühzeitigem Aus für einen Promi wird der Profi wahrscheinlich noch weiter ‚im Hintergrund‘ beschäftigt sein – zB für Opening-Tänze der Profis oder für Hilfestellungen, wenn Promis Hebefiguren lernen sollen/wollen/müssen o.ä.
    Ich könnte mir vorstellen, das ‚ältere‘ (so ab Mitte 30) Profis sich intensiv überlegen, wie sie denn die Jahre bis zur Pension ihr Geld verdienen wollen.
    Familie gründen? PLUS – tja … was? Tanzschule eröffnen? Trainer beim Soundso-Club werden? Einen erlernten anderen Beruf Vollzeit ausüben? Diesbzgl. fällt mir Alexandru Ionel ein – Zahnarzt – will er ewig nur Teilzeit-Zahnarzt sein? Oder Ekaterina Leonova – wofür hat sie ein BWL-Studium absolviert?

    Und zur Erfahrung:
    Erfahrung in was?
    Im Überschminken, wie Katha hier neulich erwähnte? Sicher nicht gefragt.
    Erfahrung bzgl. Teilnahme an Meisterschafts-Wettbewerben? Auch nicht, weillll: Es ist eine Unterhaltungsshow, die zwar einen Wettbewerb darstellt, aber eben nicht so wie Profi-Meisterschaften.

    Erfahrung im Unterrichten – das sicherlich ja. Nur diese Erfahrung wird kein Profi haben, wenn neu bei LD.
    Weil es sicherlich weder mit dem Unterrichten bei Tanzkursen für Laien, noch mit Unterrichten als Trainer von Profis vergleichbar ist.

    Motsi Mabuse sagte mal in einer LD-Show vor ein paar Jahren, als sie die Leistungen der Profis lobend hervorhob, so sinngemäß ‚wir Profis verlassen für Wochen und Monate unser Zuhause, wir verlassen unsere Familien, wir sind Lehrer, aber auch Psychologen, Mamas, Papas‘ (letzteres war gemeint als ‚für die Promis‘).

    Erfahrung bzgl. Show – das hatten am ehesten Katrin Menzinger und Vadim Garbuzow seit Beginn der Tätigkeit bei LD – aber Achtung: Die beiden hatten ja ‚Lehrjahre‘ bei den österr. Dancing Stars hinter sich.

    Die diese Staffel so gut eingestiegene Anastasia Stan hatte meines Erachtens den idealen Partner zugeteilt bekommen – einen Unterhaltungsshow-Erfahrenen sozusagen, der auch beim Tanzen gut war. Ich weiß nicht, ob sie auch nur annähernd so positiv aufgefallen wäre, hätte sie einen der anderen Promi-Herren zugeteilt bekommen.

    Die Profis wachsen meines Erachtens also Erfahrungs-mäßig durch ihre Teilnahme an LD in das Unterhaltungsshow-Business hinein. Sie wurden ausgewählt, weil sie alle perfekt tanzen können und das Show-Thema das Tanzen ist (im Gegensatz zu Koch- oder Rate-Unterhaltungsshows zB).
    Außer Tanzen müssen die Profis auch insgesamt für ‚gute Stimmung‘ sorgen und diese beibehalten … über viele Wochen. Nicht nur wir hier regen uns mitunter über gehypte Promis auf oder ’schlechte‘ Musik oder dies und das seitens der Jury. Nein, das sind Dinge, die sicher ‚hinter den Kulissen‘ von LD auch bemerkt werden und Promis könnten evtl. auf die Idee kommen, diese Dinge öffentlich anzusprechen – da müssen die Profis sie von ab bringen, beruhigen … was weiß ich – s. oben – M. Mabuse ‚ … Psychologen … ‚
    Es könnte auch sein, das Profis die Promis, die Comedians sind, ‚bremsen‘ müssen – denn jeder Comedian wird während auch nur 1 LD-Show mehrere, wenn nicht sogar viele ‚aufgelegte 11-Meter‘ wahrnehmen … und ist sicher versucht, diese Standup-Comedian-haft zu ‚verarbeiten‘.

    Fazit: Alles nicht so einfach !



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