„Kamionka“ von Carolin Fortenbacher. Gestattet mir eine Homage

Autor(in): | aktualisiert am: 3.03.2014

"An jeden, der weiß, wie Wolken schmecken“

„Kamionka“ – Neue CD von Carolin Fortenbacher

Zugegeben: Obiger Wolken-Hinweis stammt nicht aus meiner Feder, es ist eine Zitat von Carolin Fortenbacher höchstpersönlich. Es ist ihre Antwort auf die Frage, an wen sich dieses Album „Kamionka“ richtet.

Und nach dem Anhören der CD weiß auch ich nun, wie Wolken schmecken können: musikalisch vielfältig, fröhlich, wundervoll melancholisch und nachdenklich.

Kamionka“ ist Carolin Fortenbachers drittes Solo-Album, bei dem sie sich ihres Bühnen-Namens „La Fortenbacher“ bediente und ihre Band „Die Carolinger“ mitwirken. Und es ist ihr bestes Werk – nach „Drama“ von 2008 und „Zurück zu mir“ von 2005.

Waren die Vorgänger-Alben doch eher dem Mainstream zuzuordnen, ist die Musik auf „Kamionka“ eine Mischung aus Folk, Chanson, Country, Ska, Soul und Balkan-Rhythmen. Das Team nennt es selber „… folkloristischen Chanson-Pop …“.

Zum Team gehören neben Carolin auch ihre Band „Die Carolinger“: Achim Rafain (Bass), Jakob Richter (Piano), Dominik Pobot (Gitarre, Vocals und Produzent), Martin Langer (Drums, Vocals und Produzent) sowie Carolins Ehemann Sascha Rotermund (Gitarre, Vocals).

Außer einem Cover-Song wurden alle anderen Titel auf „Kamionka“ selbst verfasst. Carolin Fortenbacher war maßgeblich am Schaffensprozess von Musik und Text beteiligt. Sie fand endlich die Musik, die ihr aus Körper und Seele kommt. Lange war sie auf der Suche danach. „Es gab ein Leben vor der Hamburger Aufführung des Musicals „MAMMA MIA“ und eines danach“, sagt La Fortenbacher.

Nun aber zu einigen Songs auf „Kamionka“, die von Martin Langer, Dominik Pobot und Sascha Rotermund komponiert und getextet wurden.

Gleich der Einstiegssong blieb mir angesichts seiner Refrain-Melodie im Ohr hängen und zuckte mir im Tanzbein – gut ausgewählt! „Schlossallee“ erinnert an das Gesellschaftsspiel, dessen Gewinner- und Verliererstatus man ja sehr gut aus dem wahren Leben kennt.

Souvenir“ gibt es zweimal auf der Scheibe, einmal davon als französische Unplugged-Version. Zuviel Staubfänger im Regal – das schönste Souvenir ist doch immer der Partner. Mit „Amèlie“ bleibt es frankophil. Dieser Titel hatte den längstens Schaffensprozess, die meisten Textideen, bis Carolin der Gedanke mit dem Film „Die fabelhafte Welt der Amèlie“ kam und daraus dieser rhythmische Titel reifte.

Melancholie schwingt durch „Der einfache Teil“ und ließ mich zum Nachdenken über den Verlauf des eigenen Lebens und vielleicht neuer Zielsetzungen nachdenken. In „Zeit“ sinniert das Ehepaar Carolin Fortenbacher – Sascha Rotermund gemeinsam über Beziehungspflege. Gibt man sich noch Zeit? Liebe Paare, hört mal genau hin.

Wie schnell ein Mensch in den Verdacht geraten kann, dement zu sein, obwohl er eventuell nur eine blühende Phantasie besitzt, erzählt „Noch ganz da“ – somit ein gesellschaftlich brisantes Thema. Mit schönem Schifferklavier im Instrumentarium gelang ein guter Titel, der in Funk und Fernsehen oft auftauchen sollte.

Mit Balkan-Beats und reichlich Selbstironie nimmt La Fortenbacher in „Chef vom Ganzen“ sich selbst aufs Korn und erwähnt auch kurz Donna, ihre Rolle im Musical „MAMMA MIA“. Bleibt sie ewig Donna? Nee, Carolin, bleibst Du nicht!

Am Ende der CD sind drei Live-Mitschnitte aus dem Bühnenprogramm „Ich hab Hunger“ zu hören. Welch großartige Musiker da agieren, konnte ich zum einen selber während eines Konzertes erleben und ist zum anderen besonders bei „Never going back again“ (Original von Fleetwood Mac) zu hören. Musikerkollegen wissen, wie schwer dieser Titel zu spielen ist. Kompliment!

Das Album ist insgesamt klanglich sauber produziert. Der häufige Einsatz des Schifferklaviers erfreute u. a. mein musikalisches Gemüt. Zur Produktion von „Kamionka“ gründeten Carolin Fortenbacher und Sascha Rotermund das eigene Label FORORE. Das Cover-Foto machte Carolins Tochter Celine, und die riesengroße Seifenblase hierzu blies Ehemann Sascha.

Kamionka“ ist übrigens der Mädchenname von Carolins Mutter und bedeutet „kleines Steinchen“. Es ist ein ungewöhnliches, schönes und thematisch aktuelles Album geworden, das ich wärmstens empfehle. Die CD erschien am 28. Februar 2014 im Handel. Der mp3-Download ist schon 14 Tage länger zu haben.

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