Interview mit Steffen Zoglauer – Sandra Koperski über Ihre Erfahrungen nach einem Jahr als Profi-Tänzer

von: | aktualisiert am: 26.03.2013

Bilanz und Ausblicke eines Profi-Tanzpaares

Steffen Zoglauer - Sandra Koperski - Tanz-Profis aus Berlin - Foto: Pit Schwanitz

Steffen Zoglauer – Sandra Koperski – Tanz-Profis aus Berlin – Foto: Pit Schwanitz

Steffen Zoglauer – Sandra Koperski gehören seit einem Jahr zu den besten und erfolgreichsten deutschen Profi-Tanzpaaren – auch international.

Vor einem Jahr hatten wir uns mit Sandra Koperski und Steffen Zoglauer das erste Mal zum Interview getroffen.

Damals war das Tanzpaar gerade von den Amateuren zu den Profis gewechselt und wir hatten ausführlich über diesen Schritt gesprochen.

Jetzt beginnen wieder die nationalen und internationalen Tanz-Meisterschaften. Da wollten wir vorher noch erfahren, wie das Tanzpaar selbst das vergangene Jahr sieht und was sie sich für 2013 vorgenommen haben. Außerdem gewähren uns beide einen kleinen Einblick in das sportliche Leben eines Profi-Tänzers:

Salsango: Als wir vor einem Jahr wir das erste Mal zusammen saßen, ward Ihr gerade zu den Tanz-Profis gewechselt. Wie war das Jahr für Euch?

Sandra Koperski: Unser erstes Profi-Jahr hätte kaum besser laufen können!

Steffen Zoglauer: Wir sind überaus zufrieden. Einige Ängste, die wir beim Wechsel schon auch hatten, haben sich nicht bestätigt. Die Erfolge sind genauso so gekommen, wie wir sie uns wünschten. Natürlich können wir noch besser werden! Aber, wir sind in keinster Weise unzufrieden.

Wir hätten nicht gedacht, dass wirklich alles so schnell geht. Einer unserer Trainer hatte uns mit auf den Weg gegeben: „Wo sich eine Tür schließt, öffnen sich andere„. Genauso war es!

Man scheut ja zuweilen die Veränderung. Es zahlt sich aber aus, Mut zu haben. Was einen erwartet, ist interessant, spannend sogar. Das sind neue Herausforderungen!

Salsango: Welche Befürchtungen hattet Ihr denn?

Steffen Zoglauer: Zum Beispiel in finanzieller Hinsicht, dass wir unser Training nicht so aufrecht erhalten können, wie wir das als Amateure gewohnt waren.

Sandra Koperski: Als Amateur bekommt man doch vom Verband als Kader-Paar viel Unterstützung, sei es für die Fahrten zu den Turnieren usw..

Salsango: Ohne ins Detail zu gehen: Wie kann man sich das vorstellen?

Steffen Zoglauer: Inzwischen haben wir uns ganz gut etabliert als Trainer hier in Berlin, auch außerhalb und sogar über die Grenzen des Landes hinweg. Das heißt, wir unterrichten als Trainer, auch einzelne Paare oder geben Workshops. Auch tanzen wir Shows und natürlich bekommen wir auch Preisgelder bei Turnieren, wenn es so gut läuft, wie im letzten Jahr. Unter anderem deshalb können wir unser Tanzen ausreichend finanzieren.

Salsango: Aber bei Turnieren gibt es ja nur Preisgelder, wenn man sich gut platziert?

Sandra Koperski: Selbstverständlich.

Steffen Zoglauer: Wir sind ja bei fast allen möglichen Meisterschaften, Europa- oder auch Weltmeisterschaften gewesen und waren dann jeweils im Finale.

Unterschiede zwischen Profi- und Amateur-Tänzern

Salsango: Für Euch ist das alles noch frisch bzw. in guter Erinnerung: Was ist denn der Unterschied zwischen dem Amateur-Dasein und dem als Profi? Vielleicht an dieser Stelle auch der Hinweis an alle Leser, die Euch nicht so aktiv verfolgen wie wir, dass Ihr als Amateure schon sehr erfolgreich und intensiv getanzt habt, also nicht nur „Freizeittänzer“ ward, die zweimal in der Woche zum Tanzclub gingen…

Steffen Zoglauer: Der Unterschied ist einerseits ganz klein und dann doch ganz groß. Klein, weil der Trainingssaufwand in etwa vergleichbar ist zu dem, wie wir zum Schluss als Amateure trainiert haben.

Sandra Koperski: Naja, vielleicht trainieren wir jetzt doch sogar noch mehr. Es ist z.B. die Kür als Disziplin dazu gekommen.

Steffen Zoglauer: Stimmt!

Groß ist der Unterschied, weil wir als Profis jetzt wirklich unsere eigenen Herren sind und nicht mehr so sehr auf Geheiß und Befehle Dinge zu tun müssen, die wir vielleicht gar nicht wollen. Wir müssen z.B. nicht bestimmte Turniere tanzen, wenn wir das nicht wollen. Heute bestimmen wir, was für uns wichtig ist.

Sandra Koperski: Wir haben heute auch die Möglichkeit – im Gegensatz zum Amateur-Dasein -, zu mehr internationalen Turnieren zu fahren oder zu Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften in allen Disziplinen. Das war immer ein Traum für uns, mehr international tanzen zu können.

Steffen Zoglauer: Wir hatten bei den Amateuren immer wieder den Eindruck, etwas zu kurz zu kommen. Wir konnten nicht so richtig zeigen, wozu wir fähig sind.

Da war der Wechsel zu den Profis vor einem Jahr für uns wie eine Befreiung und hat uns nochmal ganz deutlich einen Motivations- und Leistungsschub gegeben. Dadurch hatten wir dann auch die Erfolge, auf die wir als Amateure immer gehofft hatten – aber, um ehrlich zu sein, den Glauben daran auch schon fast verloren hatten.

Diese Entwicklung ist natürlich toll! Wie ich vorhin sagte: Wenn die Tür vor einem aufgeht, kann man auch hindurch gehen. Aber nicht, wenn sie verschlossen bleibt… Da steht man höchstens davor an und hofft – vielleicht sogar, bis es zu spät ist.

Salsango: Nun muss man aber auch sagen, dass es für Euch fast optimal lief! Ihr konntet Euch durch gute Turnier-Ergebnisse gleich für internationalen Meisterschaften qualifizieren und der DPV (der Profiverband, Anm.d.R.) hat Euch auch dorthin geschickt. Ihr konntet also gleich viel international tanzen. Insofern war das – unabhängig von der Leistung – sicher auch recht glücklich.

Steffen Zoglauer: Das war kein Glück. Das war unsere Leistung und das hatten wir so geplant…

Salsango: Ich will ja Eure Leistung ja nicht schmälern. Ich meine nur, es gibt auch andere Situationen und nicht immer gelingt der Einstieg so gut, wie bei Euch. Und dadurch, dass gleich Erfolge da waren, konntet Ihr eben auch so viele z.B. internationale Meisterschaften tanzen. Also nicht Glück im Sinne von Zufall, sondern glücklich in dem Sinne, dass es wirklich gut lief und Ihr auch viel Unterstützung erfahren habt.

Steffen Zoglauer: Na klar. Das hatten wir natürlich auch gehofft. Und wir haben – eben z.B. dem Verband – gezeigt, dass wir alles geben, um erfolgreich zu sein. Es gibt ja auch andere Tanzpaare, die Meisterschaften „nur“ mittanzen und nicht den unbedingten Willen zum Sieg haben. Ich will da niemanden was Böses oder gar etwas unterstellen. Aber wir alle wissen, dass es auch mal Situationen gibt, in denen man nicht so motiviert an ein Turnier herangeht.

Uns hat man nur selten etwas geschenkt! Wir mussten uns immer alles hart erarbeiten und deshalb wollten wir diese Chance, die wir im Wechsel zu den Profis auch sahen, unbedingt nutzen. Insofern empfinde ich das auch ein Stück weit als Belohnung für unseren Fleiß und unseren Willen.

Für uns ist das Tanzen alles und dafür geben wir alles!

Salsango: Natürlich. Es gibt bei den Profis ja auch einige Tanzpaare, die einem „normalen“ Job nachgehen und dort Leistung bringen müssen und dann nach der Arbeit erst Zeit haben, zu tanzen und zu trainieren. Da ist ein Platz im Finale einer Deutschen Meisterschaft schon ein toller Erfolg. Aber für den Sprung nach ganz vorn, fehlt einfach die Zeit und die Kraft.

Das Training als Tanz-Profi

Wie oft trainiert Ihr?

Steffen Zoglauer: 5-6 Mal in der Woche.

Salsango: Ich kenne Euer Programm. Das ist doch nicht alles.

Sandra Koperski: Wir gehen auch noch 3-4 Mal in der Woche zum Fitness-Training, richtig ins Studio. Ne Stunde oder anderthalb.

Salsango: Was macht ihr im Fitness-Studio?

Sandra Koperski: Meist spezielle Übungen zum Fein-Tuning und Ausbalancieren der Muskulatur. Wir wollen ja nicht mehr Muskeln bekommen, sondern die vorhandenen spezialisieren. Das geht nicht alles durchs Tanzen. Trotzdem müssen wir auch Schnellkraft trainieren oder ich laufe z.B. viel auf dem Crosstrainer.

Steffen Zoglauer: Wir haben dann auch noch Privatstunden. Das schwankt aber. Wenn wir z.B. in Italien sind, haben wir in ganz kurzer Zeit ganz viele Stunden. Wir sind ja immer nur ein 2-3 Tage im Monat dort und die wollen wir dann natürlich bestmöglich nutzen.

Salsango: In Italien trainiert Ihr Standardtänze?

Steffen Zoglauer: Ja. Und hier in Berlin bei Janet Marmulla Latein – meist 2 Stunden in der Woche.

Sandra Koperski: Dazu kommt das freie Training. Das sind die 5-6 mal pro Woche, die Steffen vorhin meinte.

Steffen Zoglauer: Was wir dann trainieren, differiert natürlich ein bisschen und hängt auch von den bevorstehenden Turnieren oder der Saison ab.

Salsango: Und Kondition? So ein Tanzturnier ist anstregend…

Steffen Zoglauer: Sandra läuft regelmäßig auf dem Laufband, aber ich mache da nicht so viel. Dadurch, dass wir 10 Tänze tanzen und die natürlich auch trainieren müssen, sind wir konditionell ganz gut in Schuss.

Sandra Koperski: Wir haben einen Plan fürs Jahr. Manchmal muss mehr Kondition aufgebaut oder trainiert werden, dann wieder feilen wir an der Technik und an der Feinkoordination. Durch die vielen Turniere können wir nicht immer alles gleichermaßen trainieren oder müssen uns auf bestimmte Turniere eben gezielt vorbereiten.

Steffen Zoglauer: Manchmal haben wir mehr Privatstunden und arbeiten vielleicht mehr an einer Choreografie oder an ganz bestimmten Tänzen. Dann wieder weniger.

Es gibt also auch Trainingsspitzen, um z.B. bei einem Höhepunkt wirklich fit zu sein.

Sandra Koperski: Jetzt gerade sind wir in Vorbereitung der Meisterschaften am Austrainieren.

Salsango: Apropo Turniere. Viele Turniere heißt auch viele Kleider? Wieviel Kleider vertanzt Du im Jahr?

Sandra Koperski: Im Moment haben ich 2 meist 3 Standardkleider pro Jahr, das Gleiche für Latein. Dann für die Standard-Kür ein Kleid und für die Latein-Kür ein Kleid. Also so 8-9 aktuelle Kleider.

Salsango: Bei Männer ist das ein bisschen einfacher?

Sandra Koperski: (lacht) Ja, die Männer tragen das ganze Jahr den selben Frack.

Steffen Zoglauer: Naja… Ich versuche, mir einmal im Jahr einen neuen Frack in Italien machen zu lassen. Gar nicht unbedingt, weil der verschließt. Vielleicht könnte man den auch 3 Jahre tragen.

Aber die Mode verändert sich immer ein bisschen und vor allem der Körper und das Tanzen selbst. Damit der Frack optimal sitzt, ist einmal im Jahr ein neuer dran.

Aber Latein tanze ich ja auch mit, nicht nur Sandra allein. Deshalb versuche ich die Hemden dem Kleid von Sandra anzupassen. Die Hosen halten meist etwas länger.

Sandra Koperski: Nun tanzen wir nicht sooo viele Lateinturniere, sondern mehr Standard oder 10 Tänze.

Steffen Zoglauer: Zum Glück haben wir auch Sponsoren, die uns da unterstützen, z.B. „Romana K„.

Sandra Koperski: Meine Mutter hat ein Studio für Tanzkleider, eben Romana K., die unterstützt uns sehr, auch „Meine Tanzwelt“ bei den Schuhen (siehe Links unten).

Ziele von Sandra und Steffen 2013

Salsango: Kommen wir zum Schluss! Wie soll den 2013 werden? In unserem letzten Interview vor einem halben Jahr hatten wir verkündet, dass Ihr Deutsche Meister 10 Tänze werden wollt…

Steffen Zoglauer: Das haben wir ja auch geschafft! Und diesen Titel wollen wir natürlich verteidigen!

Sandra Koperski: Laut Plan wollen wir außerdem alle Vize-Titel aus dem letzten Jahr in Meistertitel verwandeln.

Steffen Zoglauer: Sagen wir mal so: Wir haben uns wieder hohe Ziele gesteckt und wollen nicht zufrieden sein, mit dem, was wir schon erreicht haben. Deshalb ist es natürlich ein Ziel, aus einem zweiten Platz einen ersten zu machen. Aber, zum Beispiel bereiten wir uns auch jetzt schon auf die Weltmeisterschaft im Herbst vor. Da wollen wir hundertprozentig fit sein!

Wir versuchen jedoch, für jede Meisterschaft optimal vorbereitet zu sein. Dann müssen wir sehen, wie es ausgeht. Das liegt ja nicht nur in unserer Hand. Vieles, aber nicht alles.

Sandra Koperski: Das erste Ziel in diesem Jahr haben wir schon erreicht. Bei den UK waren wir in der 24er-Runde und auch die Vorbereitungsturniere in England liefen gut. Einmal sind wir sogar Zweite geworden. Auch Blackpool und UK International stehen noch auf dem Programm. Die Turniere in England sind uns schon auch sehr wichtig!

Salsango. Nun ist jetzt am Wochenende die Deutsche Meisterschaft Kür Standard und Latein. Im letzten Jahr ward Ihr Vize-Meister Standard-Kür.

Steffen Zoglauer: Natürlich wollen wir da Deutsche Meister werden, wie Sandra vorhin schon sagte. Wir trainieren seit Wochen hart an unser Kür, um dieses Ziel zu erreichen.

Salsango: Dann sehen wir uns dort wieder. Und natürlich wünschen wir Euch alles Gute – nicht nur für diese Meisterschaft, sondern auch für alle anderen und überhaupt für das ganze Jahr.

Steffen Zoglauer: Vielleicht ist das auch einmal eine Gelegenheit, dass wir uns bedanken – bedanken bei all unseren Unterstützern, bei unseren Trainern und Familien, die immer zu uns halten und uns motivieren, uns anfeuern und die Daumen drücken. Und natürlich auch bei Salsango für die Berichterstattung!

Salsango: Den Dank gebe ich gern zurück – ganz generell, aber auch für die Einblicke, die Ihr uns in Eure Arbeit erlaubt und so die Berichterstattung über den Tanzsport und die Tanzturniere beleben helft! Es macht immer wieder Spaß, mit Euch zu arbeiten!



Quellen und Weblinks:

  • Das Gespräch führte Karsten Heimberger am Rande einer Trainings-Einheit des Tanzpaares. Das Interview liegt vollständig als Ton-Protokoll vor.
  • Mehr über das Tanzpaar – auch die oben schon erwähnten vorhergehenden Interviews – findet Ihr unter dem Stichwort Steffen Zoglauer – Sandra Koperski.
  • Mehr aktuelle Infos zum Tanzsport findet man auf unserer Themenseite – oder aktuelle Neuigkeiten unter Tanzsport-News.
  • Zu den Sponsoren von Steffen und Sandra kommt Ihr über die Webseite von „Meine Tanzwelt“. Zu „Romana K.“ kommt Ihr derzeit am besten über Steffen und Sandra direkt.

 

Ausgewählte Themen im Salsango-Magazin:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.