Linda Hesse: Ein intensives Gespräch mit der Sängerin anlässlich der neuen CD Sonnenkind

Autor(in): | aktualisiert am: 3.08.2016
Linda Hesse Ein Interview mit der Sängerin anlässlich der neuen CD Sonnenkind

Linda Hesse Ein Interview mit der Sängerin anlässlich der neuen CD Sonnenkind – Foto: (c) Thommy Mardo

Linda Hesse veröffentlicht in diesen Tagen ihr neues Album „Sonnenkind“. Salsango konnte deshalb ein Interview mit Linda Hesse führen. Unser Autor Karsten Heimberger, der das Interview geführt hat, wollte ein kurzes Vorwort dazu:

Das war ein Gespräch mit Linda Hesse, in dem ich erfahren habe, wie engagiert und wie sehr die Sängerin auch Musikerin ist. Nehmen Sie sich deshalb bitte die Zeit und lesen Sie es bis zum Ende, selbst wenn es nicht gerade kurz ist. Ich habe mich bemüht, das aufgezeichnete Interview inhaltlich zu straffen. Viele Details wollte ich aber nicht kürzen, damit Sie auch die Gelegenheit haben, Linda Hesse kennen zu lernen.

Das neue Album, das mir richtig gut gefällt, kannte ich beim Interview noch nicht, nur 4 Videos daraus, von einer Akustik-Session. Eine Rezension zur CD schiebe ich deshalb nach (siehe Linda Hesse eine neue CD zum gern haben – „Sonnenkind“).

Interview mit Linda Hesse

Salsango: Linda, Deine neue CD „Sonnenkind“ ist Dein 3. Album und das erste ohne Hosenträger…

Linda Hesse: Das mit „Ich bin ja kein Mann“ war ganz am Anfang gar nicht so geplant, sondern hat sich erst ergeben. (Anm. der Red.: Die Erklärung dazu kommt ziemlich weit hinten im Interview)

Salango: Naja, als Idee war das doch gut! Irgendwie musstest Du ja auf Dich aufmerksam machen, Dich unterscheiden, damit Du den Leuten im Gedächtnis bleibst.

Linda Hesse: Ich war echt froh, dass ich mich in diesem Outfit so wohl gefühlt habe, und dass es so zu diesem Lied gepasst hat. Bei „Ich bin ja kein Mann“ werde ich weiter die Hosenträger tragen…

Salsango: Ich vermute, das wird Dich Dein Leben lang begleiten…

Linda Hesse: Das finde ich aber auch schön…

Salsango: …so, wie viele Künstler heute immer wieder auch ihre Lieder singen müssen, mit denen sie einst berühmt wurden.

Linda Hesse: Klar, nimm Matthias Reim mit „Verdammt ich lieb Dich“. Ich glaube, der liebt den Song wirklich, weiß ihn zu schätzen. Das ist so ein Typ, der hat den mit Leib und Seele geschrieben…

Weißt Du, „Ich bin ja kein Mann“ wollte damals niemand haben. Wir waren damit überall vorstellig und alle fanden das auch ganz toll, aber irgendwie war niemand zufrieden. Außer uns war keiner von der Idee begeistert, genau damit als erste Single raus zu gehen, mit dem Video, den Fotos, den Hosenträgern. Das Paket fand damals irgendwie keine Plattenfirma so richtig gut. Alles drumherum ja, aber… …Ach, wir wissen es auch nicht so genau.

Dann haben wir gesagt: Wenn Ihr das nicht so genau wisst, wir wissen es ganz genau. Wir glauben ganz fest daran! Wir gehen mit der ersten Single genau so raus, wie sie jetzt ist, mit den Fotos und dem Video. Unter uns: Das war ja auch alles schon fertig… Im Nachhinein kann ich sagen: Zum Glück haben wir das so gemacht!

Linda Hesse - Cover-Foto zur neuen CD Sonnenkind

Linda Hesse – Cover-Foto zur neuen CD Sonnenkind – Foto: (c) Thommy Mardo

Salsango: Wir? Damit meinst Du das neue Label Airplay Songs, mit dem das neue Album veröffentlicht wird?

Linda Hesse: Ja, ich bin da so rein gewachsen… Im Grunde gab es das schon vorher. Als ich angefangen habe, mit André zu arbeiten, haben die noch Songs für Bernhard Brink, Howard Carpendale, Matthias Reim und andere geschrieben. (Anm. d. Red.: André Franke ist Komponist, Produzent und musikalischer Leiter der Band von Linda Hesse)

Ich hab denen damals immer ganz interessiert über die Schultern geschaut und ich glaube, die fanden das gut, dass ich mich so dafür interessiert habe, ein stiller Beisitzer war. Heute können wir so in einem kleinen und motivierten Team hoffentlich mehr verwirklichen, als am Anfang.

Salsango: Ingo Politz ist als Produzent neu mit an Bord?

Linda Hesse: Richtig! Mein neuer Produzent Ingo Politz ist sehr erfahren, was deutsche Musik angeht. Das war schön, für das neue Album so noch einen zusätzlichen Einfluss zu haben.

Salsango: Ingo Politz macht viele gute Sachen.

Linda Hesse: Richtig gute Sachen! Joris, Elaiza, Glasperlenspiel, glaube ich, Silbermond die ersten Alben – der ist schon echt richtig ausgefuchst, was deutsche Musik angeht. Deshalb war das noch einmal ein gute Ergänzung für André… Also, die beiden haben das Album gemeinsam produziert. Passt super zusammen.

Ich hab Ingo jetzt mit der Arbeit am Album erst richtig kennengelernt. Klar kannte man sich vorher, vom Hallo-Sagen, mal ein bisschen gequatscht bei ner Aftershow-Party oder so. Mit ihm nun zu arbeiten, war cool. Das hat Spaß gemacht!

Salsango: Ich finde interessant, was sich in Berlin derzeit alles entwickelt, wie sich das so zusammenfindet. Das hätte man vor 20 Jahren schon theoretisch begründen können, dass es mal so kommt. Nun aber mitzuerleben, wie es tatsächlich wird, ist spannend.

Linda Hesse: Für die ersten beiden Alben waren wir noch in Hamburg und haben dort die Live-Sessions gemacht. Das war auch eine schöne Zeit und eine gute Atmosphäre. Aber nun für das 3. Album haben wir gesagt: Wir sind halt in Berlin -André seit 10 Jahren, ich seit 9 Jahren, Ingo sowieso- und deshalb sollte es auch irgendwie eine Berliner Platte werden, mit dieser besonderen Atmosphäre hier in der Stadt. Die Akustik-Session haben wir nur ein Stück von hier an der Spree im Blackbird Music Studio aufgenommen.

Dabei war auch meine Stamm-Band, mit der ich sonst live spiele, wenn ich unterwegs bin. Bei den ersten beiden Alben hatten wir noch Gast-Musiker dabei, wie z.B. den Trommler Jost Nickel von Jan Delay beim 2. Album – beim ersten waren es Michael Grabinger und Alex Grube am Bass. Aber jetzt hatten wir für die Akustik-Session meine Band dabei. Das war total schön, für so eine Produktion gemeinsam ins Studio gehen zu können und das one-take-mäßig auf die Platte zu packen – einfach, weil wir über die Jahre so zusammengewachsen sind.

Auf der Fan-Box vom neuen Album ist auch eine DVD dabei, auf der die Aufnahmen, die Du ja schon kennst, zu sehen sind.

Linda Hesse 2016 mit neuer CD

Linda Hesse 2016 mit neuer CD – Foto: (c) Thommy Mardo

Salsango: Ich hab ein Bild gesehen, da spielst Du Percussion?

Linda Hesse: Echt? Also ich glaube, wenn du das irgendwo gesehen hast, war das nur ein Spaß. Ich würde gern mehr selbst Instrumente spielen, aber ich übe noch (lacht). Ist noch nicht bühnenreif…

Salsango: Das ist mir deshalb so in Erinnerung geblieben, weil ich vor Kurzem erst ein Percussion-Solo von Sheila E. bei Tony Succar gesehen habe. Als ich dann das Bild von Dir sah, dachte ich, vielleicht bald auch von Dir sowas zu sehen?

Linda Hesse: Sheila E., die Perkussionistin von Prince? Hab ich hier in der Waldbühne gesehen… Aber nein, da müsste ich aber noch sehr lange arbeiten. Damit kann ich mich in keiner Weise vergleichen…

Salsango: Die macht das ja auch schon ein paar Jahre…

Linda Hesse lachend: Ja, wer weiß, vielleicht stehe ich mit 50 auf der Bühne und kann bis dahin endlich Percussion spielen. Ich werde üben, versprochen! Da hab ich ja jetzt ein Ziel…

Salsango: Wie bist Du denn mit Deiner Band zusammen gekommen? Die Musiker sind ja überwiegend ein ganzes Stück älter als Du. Ihr habt Euch also vermutlich nicht zufällig nächtens in einem Klub getroffen und aus einer Trinklaune heraus beschlossen, gemeinsam Musik zu machen?

Linda Hesse: Nee, ich hab mir meine Band eigentlich ganz gut ausgesucht…

André spielt ja auch bei Howard Carpendale in der Band, der seit mindestens 30 Jahren immer mit Live-Band unterwegs ist. Eine grandiose Band übrigens! Joachim hat früher auch mal bei Howard in der Band gesungen…  (Anm.d.Red.: Joachim Horn-Bernges ist neben André Franke der zweite Mann im Team Linda Hesse, vor allem als Texter)

Und so kam’s dann eben dazu, dass wir immer mal bei solchen Konzerten waren. Das erste Mal sind wir, glaube ich, nach Erfurt gefahren, wo André mit Howard gespielt hat. Ich war gerade bei Joachim und seiner Frau in Gera…

Da lernt man sich natürlich kennen, man sitzt mal so zusammen und erzählt ein bisschen. Nun wissen die Musiker ja auch, dass André und Achim gemeinsam komponieren, Texte schreiben und produzieren. Da fanden die das ganz interessant, dass die beiden sich so einem unbeschriebenen Blatt angenommen haben, wie ich eins war.

Ich wollte damals die ersten Songs unbedingt live spielen. Da hab ich dann bei so einer Gelegenheit, ich glaub als erstes den Andrew (Andreas Gräser) gefragt, wenn es dann einmal soweit wäre, ob er nicht Lust hätte mitzuspielen. Heute spielt er bei mir in der Band Gitarre und singt die Backing Vocals,

2011 waren die ersten Songs fertig und wir haben gesagt: Wir probieren die jetzt aus, spielen Konzerte und schauen mal, wie das alles überhaupt funktioniert. Die erste CD „Punktgenaue Landung“ gab’s damals noch nicht…

Dann haben wir auch andere Musiker aus der Carpendale-Connection gefragt. So kam Lopi dazu (Manuel Lopez), der spielt bei Howard und inzwischen bei mir Gitarre, Isabel (Isabel Livia Wilhayn), das ist André’s Tochter und meine Background-Sängerin, die bei uns quasi ihren ersten Job, ihre erste Band hatte. Die singt ja wirklich phantastisch, super schöne Backings. Beim Schlagzeug haben wir länger gesucht, da hat auch die Band intern beraten, wer kennt wen, wer hat Bock zu spielen und jetzt hab ich Barnie (Bernd Juncker), der spielt nämlich schon länger mit Andrew zusammen und so spielen wir in der Konstellation seit über 3 Jahren. Am Bass hab ich Alex Klier, der kam über Manuel Lopez, ist auch ein Münchener, der war z.B. letztes Jahr auf Europa-Tour mit Gianna Nannini.

Da wird auch gerade nicht dran gerüttelt, weil ich das total schön finde, so auch meine großen Brüder dabei zu haben. Das sind halt einfach phantastische Musiker und darauf kam’s mir an.

Linda Hesse 2016

Linda Hesse 2016 – Foto: (c) Thommy Mardo

Salsango: Das fällt auf bei dieser Akustik Session, die jetzt mit auf der neuen CD Sonnenkind ist. Es macht Spaß zuzuhören und zuzusehen, weil man förmlich spürt, wie die Musik entsteht.

Linda Hesse: Das freut mich zu hören!

Salsango: Die Musiker bekommen oft so wenig ab vom Glanz…

Linda Hesse: Deshalb hab ich von Anfang an gesagt, ich spiele nur live mit Band, wenn ich auftrete. Damit hab ich mir den Weg -gerade am Anfang- nicht unbedingt leichter gemacht. Ich hab dieses Jahr das erste Mal Halb-Playback gespielt, bei den großen Schlagerstar-Paraden. Das hat auch viel Spaß gemacht mit den Kollegen dort, keine Frage. Aber auf meinen Touren will ich immer live spielen.

Für mich ist das auch so etwas Zwischenmenschliches. Ich weiß, dass die Jungs von Anfang an mit dabei waren und auch daran geglaubt haben. Da hab ich gesagt, wer von Anfang an dabei ist, der kommt auch mit, der wächst mit mir.

Salsango: Ihr spielt also richtige Konzert-Touren?

Linda Hesse: Ja! Wir haben jetzt 2 Konzert-Touren gemacht, vielleicht so ein bisschen schlager-untypisch. Ich wollte lieber mit kleinen, intimen Konzerten anfangen, bei denen man sich besser kennen lernt, viel leichter mit den Fans zusammenwächst, man echt weiß, wer da steht. Ein Jahr später spielt man vielleicht in einer etwas größeren Location. Dann sieht man da vertraute Gesichter und es kommen ein paar neue dazu. Wie das so organisch wächst, finde ich irgendwie ganz spannend.

Die erste Tour war sehr cool. In Berlin haben wir im Postbahnhof gespielt. Auf der 2. Tour waren wir dann im Wintergarten, was gleich ein ganz anderes Klima war, ich meine die Atmosphäre und so. War aber auch total schön. Und im Sommer ist natürlich nichts besser, als Open air zu spielen.

Vor 2 Wochen waren wir in Hessen, das ist ein Dorf in der Nähe meiner Heimat Halberstadt. Die haben doch echt so ein Fest auf die Beine gestellt, zu dem so 2.500 Leute kamen und wir hatten 2 Stunden richtig Spaß miteinander – also wir auf der Bühne auf alle Fälle und das Publikum hoffentlich auch. Das war genial. Sowas genießen wir als Band.

Salsango: Und singst Du dann nur Deine eigenen Songs oder auch andere?

Linda Hesse: Na gut, mit dem ersten Album allein war es natürlich schwierig, ein ganzes Konzert-Programm zu füllen. Da hatten wir so einen kleinen Akustik-Block eingebaut, mit „Junimond“, „1000 Mal berührt“ und „Ohne Dich“ von der Münchener Freiheit. Ach ja, und „Kleine Seen“ haben wir auf der ersten Tour auch gespielt. Das war ja dann auf der 2. Platte mit drauf – genauso, wie wir es auf der Tour gespielt hatten, weil das dem Publikum so sehr gefallen hat. Perlen aus der deutschen Musikgeschichte! Jeder aus der Band hat einen Favoriten mit eingebracht und vier Songs haben wir dann am Ende genommen.

„Ohne Dich“ und „Kleine Seen“ spielen wir immer noch. Inzwischen hab ich ja aber auch 3 Alben, da fällt es natürlich leichter, den Abend zu füllen.

Linda Hesse 2016 - Foto zum Album Sonnenkind

Linda Hesse 2016 – Foto zum Album Sonnenkind – Foto: (c) Thommy Mardo

Salsango: Ist auf dem neuen Album auch so ein Song drauf?

linda Hesse: Nein, das sind alles eigene Lieder. Aber wer weiß, was auf dem nächsten Album passiert… Eigentlich sollte „Kleine Seen“ auch nicht mit auf das 2. Album. Aber, weil das live immer so besonders war…

Das war mit dem ersten Album schon so. Wir haben die ersten Konzerte gespielt mit 8 Songs. Mich kannte keiner und die Lieder kannte keiner. Wir haben z.B. in Halberstadt gespielt…

Salango: Aber Halberstadt war doch ein Heimspiel für Dich… (Linda Hesse kommt aus Halberstadt)

Linda Hesse: Und trotzdem kannte mich keiner – also in dem Sinne, dass Linda Hesse allein mit Band singt. Klar wusste man, dass ich mal in einer Casting-Show war und dann in einer Mädchenband Kindermusik gemacht habe. Aber, dass ich dann meinen ganz eigenen Weg gefunden oder gesucht habe, das war neu.

Dann kamen tatsächlich 200 Leute und kurz bevor es los ging, dachte ich noch: Was machst du hier eigentlich? Ich spiele Lieder, die keiner kennt und hoffe, dass sie den Leuten gefallen?

Aber es hat gut funktioniert und war wichtig für uns, dass wir die Möglichkeit hatten, die Songs auszuprobieren. Das waren 3 Konzerte; in Halberstadt, in Radeberg bei Dresden -weil André aus Dresden kommt und da noch so seine Connections hat- und hier in Berlin in der Homebase Lounge, wozu wir auch ein paar Leute aus der Branche eingeladen hatten.

Erst nach diesen 3 Konzerten stand fest, wir gehen nach Hamburg ins Clouds Hill Studio und nehmen die Lieder live auf. Diese Atmosphäre bekommst du einfach nicht anders hin. Die Lieder leben von dieser handgemachten Musik. Auch, dass „Ich bin ja kein Mann“ die 1. Single wird, haben wir erst nach diesen Konzerten festgelegt. Du hast einfach gespürt, mit diesem Lied war das Eis gebrochen und das bleibt bei den Leuten hängen.

Und deshalb, erinnere Dich an den Anfang unseres Gesprächs, haben wir uns da von niemanden rein quatschen lassen: Nehmt doch dieses oder jenes Lied als erstes. Nein! Für uns war ganz klar, dass es dieses Lied sein musste, kein anderes. Da hat das Publikum entschieden…

Salsango: Eingängige Melodie, das Akkordeon mit starkem Wiedererkennungswert… 

Linda Hesse: Ja, auch das Akkordeon stilistisch so ein bisschen gemixt und vor allem, die Musik dabei klar zu lassen, ohne elektronische Beats und Drums, sondern wirklich alles live eingespielt. Das war damals vielleicht das, was einen anderen Klang ausgemacht hat, meinen Klang. Ich bin froh, dass wir das so durchgezogen haben.

Salsango: Wirklich durchgezogen! Ich hab mir vor dem Interview noch einmal durchgelesen, was ich über Deine ersten beiden Platten geschrieben hatte. Das mit der Musik zieht sich tatsächlich auch da durch. Hier und da hatte ich mit manchen Text-Zeilen oder Wörtern so meine Schwierigkeiten…

Lind Hesse: Ach so? Ok! Mit welchem? Mit D-B-E-A?

Salsango: Nein, damit überhaupt nicht. Da habe ich nur gelesen, dass es damit Probleme gab. Ich hatte die nie. Nein, das waren so Kleinigkeiten, Reime hier oder da. Sagen wir so: Das waren für mich nicht erwartete Textteile.

Lnda Hesse: War Dir das zu einfach?

Salsango: Nein! Ich fand einfach manche Teile der Sprache nicht passend, nicht harmonisch. Zum Beispiel hast Du auf dem 2. Album ein Lied, da reimt sich auf „naiv“ später „aktiv“, obwohl das Wort sonst gar nicht dahin passte – wie ich fand.

Linda Hesse: Das ist „Claire“, oder?

Salsango: Möglich. Andererseits fand ich manche Texte von den Themen her besonders. Mir hat gefallen, dass Du über Themen gesungen hast, die eben nicht alltäglich sind. Texte, die Dir entsprechen könnten, Deinen Erfahrungen, selbst wenn sie Dich persönlich gar nicht betreffen – außer vielleicht aus Deinem Umfeld.

Linda Hesse: „Single Mum“?

Salsango: Zum Beispiel. Das ist ein Thema, darüber können andere nicht singen, mit 40, 50 oder 60.

Linda Hesse: Naja, könnten sie aus ihrem Erfahrungsschatz heraus vielleicht schon. Aber Du hast recht! Das war natürlich für mich ein Thema, wenn Freundinnen plötzlich allein da standen – ohne Mann, aber mit Kind.

Salsango: Ich finde es immer schade, wenn z.B. junge Frauen über das Gleiche singen, über das sie auch in 20-30 Jahren noch singen könnten – und andersherum. Nichts gegen die Liebe! Die ist natürlich immer ein Thema in jeder Art von Musik, weil die uns mit 14, mit 24, mit 54 oder 74 beschäftigt. Aber eben mit 14 anders als mit 24 und Jahre später wieder anders. Da finde ich es gut, wenn man schon im Text hört, wer das singt – und der nicht beliebig austauschbar ist.

Linda Hesse: Ja, genau. Das ist vielleicht der Schlüssel zu unseren Alben. Ich hab natürlich Angebote von anderen Textern oder Komponisten. Die schreiben auch alle wirklich schöne Songs, versuchen manchmal sogar, mir Texte auf den Leib zu schreiben. Aber ich hab mit Joachim und André zwei Menschen gefunden, die sich auf mich eingelassen haben und ich mich auf die. Manchmal verstehen die beiden mich besser oder schneller, als ich mich selbst. Ich glaube, deshalb sind die Texte so lebensnah.

Gerade jetzt auf dem neuen Album… Weißt Du, die beiden machen das ja schon lange. Aber für mich war das eine Situation, in der ich dachte: Jetzt haben wir auf 2 Alben schon so schöne Lieder geschrieben, was kann da jetzt noch kommen? Davor hatte ich richtig Respekt…

Ich find’s total krass, wie uns das auch diesmal wieder gelungen ist. Ich hab mich selbst noch ein Stück mehr mit eingebracht, weil ich inzwischen so viel von den beiden lernen konnte. Ich freue mich, dass wir jetzt noch einmal eine ganz andere Richtung gefunden, die Songs so eine positive Kernaussage haben. Es geht auch wieder um Liebe, aber auch viel ums Leben an sich.

Nimm Titel wie „Bunt“: „Ich bin es wirklich leid, mit meiner Depri-Zeit. Wenn heut der Tag beginnt, bin ich ein Sonnenkind. … Mein Kopfkarussel dreht sich nicht mehr im Kreis…“

Das sind Zeilen, die passen in unsere Zeit, weil die Welt sich so schnell dreht, sich verändert. Viele haben das Gefühl, manchmal ausgebrannt zu sein. Ich selbst mag aber immer nach vorne schauen, ich will mir unbedingt das Lächeln bewahren, auch wenn’s gerade mal schwer ist. Das haben die beiden verstanden. Deshalb ist es schön, darüber ein Lied gemacht zu haben.

Cover CD Sonnenkind von Linda Hesse

Cover CD Sonnenkind von Linda Hesse

Salsango. Es ist natürlich ein Vorteil, dass Du eine Vollblut-Musikerin bist, was ich jetzt in unserem Gespräch spüre…

Linda Hesse: Ich geb mir Mühe, auch wenn ich mit den Instrumenten noch üben muss, wie wir vorhin ja festgestellt hatten… Aber mein Instrument ist zuerst die Stimme.

Salsango: …Du bist offenbar eben nicht nur eine Interpretin, was auch aller Ehren wert wäre…

Linda Hesse: Absolut! Die ersten Alben habe ich natürlich auch nur interpretiert. Da war ich zwar auch bei jedem Lied mit dabei, wir haben zu dritt daran gesessen und geschrieben und deshalb war auch jedes Lied ich. Aber, man wächst mit seinen Aufgaben.

Salsango: Damit schließt sich der Kreis zu meinem Gedanken mit der Band. Wenn du dir die Videos von der Akustik-Session ansiehst, fällt schon auf, dass außer der Background-Sängerin alle anderen eine andere Generation sind.

Linda Hesse: Die sehen auf alle Fälle jünger aus, als sie sind… (lacht laut).

Aber ist das nicht das Schöne an Musik? Eigentlich hat sie keine Grenzen. Wenn gute Musik am Start ist, ist es doch letztlich völlig egal, ob Du 25 oder 55 bist, wenn du sie hörst und sie gut findest. Und so ist es eben auch mit dem Musikmachen.

Salsango: Auf mich macht das einen sehr harmonischen Eindruck und ich vermute eine fruchtbare Konstellation: Du profitierst davon, dass die Musiker ihre Erfahrungen haben und ich kann mir vorstellen, dass die den Input mögen, der von Dir kommt? 

Linda Hesse: Für mich ist vor allem diese Vertrauensbasis wichtig, die wir zueinander aufgebaut haben. Ich brauche immer so einen Kreis, von dem ich weiß: Da kann ich mich fallen lassen. Ich glaube, ich hab mit der Zeit ein ganz gutes Gespür entwickelt für Menschen, mit denen ich mich gut verstehe. Aber das dann auch über die Jahre aufzubauen und zu vertiefen, ist einfach schön zu erleben. Zu wissen, ich kann mich auf die Jungs verlassen. Wenn ich z.B. sage: Ich muss morgen ein Konzert spielen, dann versuchen sie eben auch alles Menschenmögliche, dass wir zusammen spielen können. Wenn du ständig wechselnde Musiker hast, bekommst Du da nur schwer eine Linie rein. Das ist wie in einem Gastronomie-Betrieb. Wenn da ständig der Koch wechselt, merken das die Gäste auch und fragen: Was ist denn da los? Warum schmeckt das heute anders?

Andersherum ist das der Grund dafür, dass ich manchmal auch richtig gute Lieder ablehnen muss, weil sie zwar schön sind, aber eben nicht ich und alles, was mich umgibt. Das ist auch die Philosophie von Achim und André: Zusammen schreiben, ein Team sein und einen roten Faden haben – und nicht einfach 11 Lieder zusammenwürfeln, damit die CD schnell fertig wird…

Salsango: Linda, nun sitzen wir hier schon fast eine Stunde und ich empfinde die Zeit mit Dir als sehr angenehm…  Ich glaube jedoch im Sinne der Leser ist es besser, wir verschieben weitere Fragen auf ein nächstes Mal. Ich mach das Gerät jetzt aus. Das soll ja kein Buch werden…

—Ende des Interviews—

Das Album „Sonnenkind“ von Linda Hesse erscheint am 8. Juli 2016. Der Titel „Noch immer so wie immer“ ist aktuell auch in unseren Schlager-Charts vertreten. Wenn Sie Linda Hesse unterstützen wollen, können Sie dort für sie abstimmen.

Hier geht es zur Rezension Linda Hesse eine neue CD zum gern haben – „Sonnenkind“.

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