Danilo Campisi: Der Profi-Tänzer (u.a. Dancing Stars) im Interview

Autor(in): | aktualisiert am: 25.04.2016

Ein Sizilianer in Österreich - Das Salsango-Interview

Danilo Campisi - Der Profi-Tänzer (u.a. Dancing Stars) - hier mit Julia Burghardt

Danilo Campisi – Der Profi-Tänzer (u.a. Dancing Stars) – hier mit Julia Burghardt – Foto: (c) Regina Courtier

Danilo Campisi ist ein erfolgreicher Profi-Tänzer und Tanzsportler aus Österreich. Lesen Sie hier unser interessantes Interview zu seiner Herkunft und zu aktuellen Projekten und zu Ideen für die Zukunft.

Der gebürtige Italiener Danilo Campisi lebt heute in Österreich, hat in Wien eine Familie gegründet und zählt zu den erfolgreichsten Tanzsportlern des Landes. Gemeinsam mit Julia Burghardt konnte Danilo Campisi mehrfach Österreichischer Meister bei den Profis werden und z.B. gerade bei der WDSF-Europameisterschaft Showdance Standard in Wien den 5. Platz erringen. Eine breite Öffentlichkeit kennt Danilo Campisi vielleicht von den Dancing Stars. Für Leser aus Deutschland: Das ist sowas wie Let’s dance, nur eben im ORF.

Das Interview mit Danilo Campisi führte Karsten Heimberger für Salsango. Die Fotos hier im Artikel stammen sämtlichst von Regina Courtier. Vielen Dank dafür!

Salsango: Wir vermissen Dich bei den Dancing Stars?

Danilo Campisi: Ich bin schon sehr traurig und enttäuscht, nicht dabei zu sein. Es gab bereits lange vor den Dancing Stars 2016 Kontakte zum ORF sowohl was mich betrifft, als auch Julia. Da haben wir auch unser Interesse bekundet, wieder bei den Dancing Stars dabei zu sein. Dann irgendwann wurde mir gesagt, dass es in diesem Jahr leider nicht passt. Schade! Ich würde mich freuen, wenn es nächstes Jahr wieder klappt.

Salsango: Wir auch!

Danilo Campisi: Durch die “Lücke im Kalender” hatten wir nun aber die Möglichkeit, eine Kür für diese Europameisterschaft Showdance Standard vorzubereiten und an der EM teilzunehmen. Die haben wir dann ja auch in Wien getanzt und wir werden den ÖTSV auch bei der Weltmeisterschaft Showdance Standard am 8. Mai in Litauen vertreten.

Salsango: “Wir” heißt, du tanzt die Kür mit Julia Burghardt!

Danilo Campisi: Ja richtig! Letztes Jahr hatte ich ja eine Kür Latein mit Maja Franke getanzt, als diese Weltmeisterschaft in Wien war. Da hatte es mit Julia einfach terminlich nicht gepasst, diese Kür mit ihr vorzubereiten. Heuer hat es wieder geklappt mit Julia und so tanzen wir diese Kür gemeinsam.

Danilo Campisi mit Maja Franke bei der WM Showdance Latein 2015 in Wien

Danilo Campisi mit Maja Franke bei der WM Showdance Latein 2015 in Wien – Foto: (c) Regina Courtier

Salsango: Es war also nicht so, dass Julia und Du, Ihr Euch, als Tanzpaar getrennt hattet?

Danilo Campisi: Nein, Nein! Wir haben weiter gemeinsam unterrichtet und Shows getanzt, z.B. mit Roswitha Wieland und Thomas Kraml, z.B. im Juli und im November des letzten Jahres ein Bühnenstück mit Tanz gemacht, eine Show. Julia und ich haben also weiterhin gemeinsam getanzt, nur eben weniger mit dem Fokus auf Turniere, sondern mehr Bühne und Show.

Ich wollte mir aber im letzten Jahr diese Kür Latein zu hause in Wien nicht entgehen lassen. So hab ich mit ihr gesprochen und mich letztlich entschlossen, die WM Showdance Latein im letzten Jahr mit Maja Franke zu tanzen. Wir waren dann so verblieben, dass wir heuer noch einmal schauen, wie es dann passt – z.B., ob wir bei den Dancing Stars sind usw..

Wir haben immer viele Projekte und dann muss man auch sehen, was und wie es sich ergibt. Wären wir z.B. bei den Dancing Stars dabei gewesen, hätten wir vielleicht nicht die Zeit gehabt, uns so intensiv, wie es nötig ist, auf die Kür Showdance Standard vorzubereiten.

Salsango: Da bist Du aber universell! Jetzt ist das eine Kür Standard, letztes Jahr hast Du eine Kür Latein getanzt… Das ist ja nicht so ganz selbstverständlich?

Danilo Campisi: Ja! Ich hab schon vorher mit Julia immer 10 Tänze getanzt, also beide Disziplinen. Das hat sich als angenehm erwiesen, bis in unsere heute Arbeit hinein. Beim Unterrichten z.B. ist es spannend, nicht nur Tänzer unterschiedlicher Niveaus zu trainieren, sondern eben auch die beiden Sparten im Tanzsport.

Deshalb empfand ich die Aufgabe, jetzt eine Standard-Kür zu machen, auch als Herausforderung. Es gibt ja gewisse Regeln seitens der WDSF, wie oft man einen Lift tanzen kann, wie oft man die klassische Standardhaltung auflösen darf. So gibt es einerseits viel Freiheit für eine solche Kür, andererseits feste Regeln, die man einhalten muss. Mir macht das Spaß, so eine Kür vorzubereiten… Wir haben auch die Choreografie selbst gemacht, mit Unterstützung eines guten Kollegen, und die Musik geschnitten. Diese Kür ist also so richtig unser eigenes “Baby”. Wir freuen uns irrsinnig, diese Kür jetzt für Österreich präsentieren zu dürfen.

Danilo Campisi mit u.a. Thomas Kraml und Rosi Wieland zur genannten Show

Danilo Campisi mit u.a. Thomas Kraml und Rosi Wieland zur genannten Show – Foto: (c) Regina Courtier

Salsango: Wenn du sagst 10 Tänze: Ambitionen in den sonst üblichen Turnierbetrieb wieder einzusteigen habt Ihr aber nicht? Oder doch?

Danilo Campisi: Im Moment sind wir erst einmal fokussiert auf die Kür. Julia und ich sind noch relativ jung. Ich bin 28, Julia ist 26. Da haben wir also noch Zeit und noch ein paar Jahre vor uns, in denen wir noch aktiv Standard und Latein tanzen können. Nur, wir haben schon so früh angefangen mit dem Tanzen. Da hat derzeit die Motivation eine Pause eingelegt, jedes Wochenende auf Standard- oder Latein-Turniere zu reisen, ständig irgend wohin zu fliegen. Der Hunger ist derzeit danach nicht da. Wir haben so viele andere Projekte und interessante Aufgaben…

Ich habe z.B. meine Familie, ich habe einen kleinen Sohn, wir unterrichten viel, sind als Wertungsrichter tätig. Da liegt insgesamt der Schwerpunkt im Moment einfach anders. Wenn es sich anbietet, wie jetzt der Showdance – das war mal eine neue Gelegenheit, die aber auch zeitlich mehr begrenzt ist, als der übliche Turnierbetrieb. Ich – oder wir – wollen das aber nicht ausschließen, dass wir uns wieder diesem Bereich des Tanzsports zuwenden, auch wenn wir es derzeit nicht konkret planen.

Salsango: Du hast von Deiner oder Eurer Tätigkeit als Trainer gesprochen. Ich habe da auch etwas von einer Dance Sport School gelesen…

Danilo Campisi: Richtig. hauptsächlich unterrichten wir im Tanzsport-Club Schwarz Weiß Wien. Soweit ich weiß, ist das der erste Tanzsport-Club Österreichs gewesen, hat auf alle Fälle eine lange Tradition, wurde schon 1932 gegründet. Dort machen wir auch hauptsächlich unsere Dance Sport School. Das ist praktisch eine Art Tanz-Ausbildung, die wir für unsere Schüler anbieten. Sonst ist es in der Regel ja so, dass die Vereine in den Ferien, meist im Sommer 8-10 Tage Trainingslager anbieten. Und in dieser Zeit werden die Schüler geradezu bombardiert mit Informationen zu z.B. der Tanz-Technik und mehr.

Das wollten wir anders machen und zerstreuen diese Tage auf fast das ganze Jahr. Daraus ergibt sich, dass wir ca. einmal im Monat an einem Wochenende mit den Schülern zusammen kommen. Dazu laden wir zusätzlich noch Spezialisten aus anderen Sparten ein, die den Tanzsport beeinflussen. Wir hatten z.B. schon Sportmediziner bei uns, eine Thai-Chi-Weltmeisterin, oder Mirna Jukic, die bekannte Schwimmerin, die über Trainingsmethodik und Trainingspläne gesprochen hat. So ist die Dance Sport School quasi eine andere Art der sonst üblichen Trainingslager.

Am Ende des Jahres machen wir dann Fachgespräche, oder man könnte es auch Prüfungen nennen, in denen wir die besprochenen und vermittelten Inhalte abfragen. Die besten Tanzpaare erhalten dann z.B. Gutscheine für weitere Dance Sport Schools oder auch für privaten Tanzunterricht. So soll sich das Engagement für Tanzpaare lohnen. Je mehr man sich bemüht, umso mehr soll man auch zurück bekommen.

Wenn andere Vereine Interesse haben und das Projekt toll finden, können wir das auch übertragen. So haben wir inzwischen auch in Graz eine Dance Sport School gestartet. Oder z.B. mit der Formationen in Krems.

Salsango: Und dieses System habt Ihr entwickelt? Oder gemeinsam mit dem Schwarz Weiß Club Wien? Oder Wie?

Danilo Campisi: Ja und nein. Die Idee haben wir eigentlich aus Italien importiert. Wir haben ja viele Jahre beim Team Diablo in Italien trainiert, sicher einem der erfolgreichsten Teams im Tanzsport weltweit. Und dort gibt es auch so ein Ausbildungssystem, umfangreicher, als das, was wir jetzt hier auf unsere Verhältnisse adaptiert haben. Wir haben die Idee also genommen und eine Variante entwickelt, die unserer Meinung nach für hier passt. Damit sind wir zum Schwarz Weiß Club Wien gegangen und haben das vorgestellt. Die waren interessiert und so konnten wir das Projekt starten.

Danilo Campisi und Julia Burghardt in Wien

Danilo Campisi und Julia Burghardt in Wien – Foto: (c) Regina Courtier

Salsango: Du hast jetzt gesagt, dass Ihr viel beim Team Diablo trainiert habt, das ja berühmt ist im Tanzsport. Du kommst selbst aus Italien?

Danilo Campisi: Ja, ich bin in Italien geboren und erst nach meiner Matura nach Österreich gekommen. Ich hatte mich damals von meiner Tanzpartnerin und Freundin getrennt und wollte mir dann eine Tanzpartnerin in Norditalien suchen, möglichst in der Nähe vom Team Diablo, bzw. mich überhaupt mehr international orientieren und meine Tanzkarriere befördern.

Weißt Du, ich komme aus Sizilien. Dort ist es schon auf Grund der geografischen Lage schwierig, z.B. auf Tanzturniere zu fliegen. Deshalb die Orientierung in eine mehr zentralere Region. Durch meine Trainer Paolo Bosco – Silvia Pitton bekam ich dann Kontakt zu Julia Burghardt in Österreich. So kam ich 2007 hier her. Damit ich die Sprache lernen kann und weil Tanzen eben auch sehr teuer ist, habe ich viele kleine Nebenjobs gemacht, z.B. in einem Catering-Unternehmen als Kellner gearbeitet. Mein Traum sollte wahr werden: Erfolgreich Tanzen und das Tanzen zum Beruf machen, davon auch leben zu können. Im Büro zu sitzen, oder etwas ähnliches, war für mich schon immer nur schwer vorstellbar. Inzwischen traue ich mich, zu sagen, dass das geklappt hat, auch wenn es nicht immer einfach war.

Salsango: Du sprichst aber gut deutsch! Sicher werden Österreicher das noch einmal anders beurteilen. Aber für mich als Berliner sind die Österreichischen Dialekte schon irgendwie ungewohnt. Da fällt es nicht so auf, wenn du vielleicht noch nicht ganz perfekt sprichst.

Danilo Campisi (lacht): Danke sehr! Ich hab mir von Anfang an gedacht: Wenn ich jetzt in einem anderen Land lebe und arbeiten möchte, dann ist es wirklich wichtig, dass ich die Sprache spreche und das Vokabular beherrsche. Ich hab z.B. alles gegoogelt und für mich übersetzt, was ich im Tanzen und im Tanzunterricht gebrauchen kann, alle Körperteile z.B., oder Bewegungen, das ganze fachspezifische Vokabular. Das war für mich wie eine Reise, eine wichtige, aber manchmal auch eine lustige. Ich hab mich einfach getraut und hatte auch keine Angst, einmal veräppelt zu werden, wenn ich mich nicht richtig ausdrücke. Ich höre das manchmal von anderen Kollegen, die lieber auf Englisch unterrichten aus Angst, sich lächerlich zu machen. Ich finde es aber sogar selbst lustig, wenn ich einmal einen Blödsinn erzähle. Wenn dann jemand lacht, dann nehme ich das nicht persönlich, lache mit, lasse mich verbessern und versuche so, noch besser in und mit meiner deutschen Sprache zu werden. So lerne ich immer wieder dazu.

Salsango: Du hast gerade erzählt, dass du aus Sizilien kommst. Wie bist Du denn da zum Tanzen gekommen?

Danilo Campisi: Das war mein tanzbegeisterter Opa. Der hat sich bei Familienfeiern  -die sind auf Sizilien genauso wie im Film “Der Pate”- immer seine zwei Töchter, also meine Mama und meine Tante zur Campursita geschnappt. Als ich so 5-6 Jahre alt war, hat mein Opa mich und meinen Cousin mit in den Tanzclub genommen und wir haben dann mit 2 Mädchen zum Spaß zu tanzen begonnen. 3 Jahre später habe ich mit den ersten Tanzturnieren begonnen und seitdem nie mehr aufgehört.

Meine Eltern tanzen gern Salsa, nehmen Salsa-Stunden und gehen zu Salsa-Veranstaltungen – aber nur aus Leidenschaft.

Karsten Heimberger schmunzelnd: Interessant! Das kann ich verstehen!

Danilo Campisi: Ja, diese Karibischen Tänze wie Salsa, Bachata und so stehen auf Sizilien hoch im Kurs. Dafür gibt es einen Markt, im Gegensatz zu Standard und Latein. Das war auch ein Grund für mich, mich eher in Richtung Norden von Sizilien aus zu orientieren. Diese österreichische Tanzschul-Tradition, wie ich sie dann hier erlebt habe, das war für mich tatsächlich neu. Das gibt es zumindest so nicht auf Sizilien.

In Italien sind das mehr die Tanzsport-Clubs. Deshalb sind die Italiener vielleicht auch so erfolgreich international im Tanzsport. Hier in Österreich gehen die jungen Leute traditionell in die Tanzschulen mit einem bestimmten Alter. Wird dort ein Talent entdeckt und kommt zum Tanzsport, ist es eigentlich schon viel zu spät, um im Tanzsport noch erfolgreich zu sein.

Im Tanzsport musst Du als Jugendlicher schon international tanzen. Wenn du mit 17,18,19 in der C- oder B-Klasse anfängst, wird es schwer, noch ein Spitzentänzer zu werden. Das ist hier vielleicht ein bisschen nachteilig. Andererseits gibt es diese Tanzschul-Kultur, die gesellschaftlich eine gewisse Bedeutung in und für Österreich hat.

Salsango: Aber daran kannst du ja jetzt selbst mitarbeiten, das zu ändern, z.B. mit Deiner Dancesport School.

Danilo Campisi: Wir bemühen uns, haben aber gerade erst damit begonnen. Wir wollen die Erfahrungen weitergeben mit Begeisterung und Esprit. Und wenn es uns gelingt, so auch zu Veränderungen beizutragen: Warum nicht?

Danilo Campisi - Julia Burghardt bei ihrer Standard-Kür

Danilo Campisi – Julia Burghardt bei ihrer Standard-Kür – Foto: (c) Regina Courtier

Salsango: Danilo, vielen Dank für das interessante Gespräch, das wir gern als Auftakt verstehen möchten und vielleicht mit ein bisschen Abstand fortsetzen können. Dir und Deiner Familie alles Gute und mit Julia Burghardt viel Erfolg bei den aktuellen und nächsten Projekten!

— Ende des Gesprächs–

Mehr solcher Interviews finden Sie bei uns unter Salsango-Specials. Für aktuelle Infos aus dem Bereich Tanzsport haben wir eigens unser Tanzsport-Magazin und allgemein Nachrichten solcher Art finden sie in einer chronologischen Übersicht im Bereich Unterhaltung.

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